2016 04 04RNZ0001

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RNZ, 13.03.2017, 06:00 Uhr

Von Marcus Deschner

 

Der Vorsitzende des Vereins "Vernunftkraft Odenwald" referierte auf Einladung der Initiative "Bürger für Bürger".

 

Eberbach. "Der Mann hat Erfahrung mit Rückenwind, Gegenwind und Turbulenzen", stellte Bettina Greif, Sprecherin der seit zwei Jahren bestehenden Initiative "Bürger für Bürger" am Freitag im "Restaurant am Leopoldsplatz" den Referent des Abends vor. Dorthin hatte die Initiative, deren Ziel die Verhinderung des ungezügelten Windkraftausbaus im Odenwald und speziell am Hebert auf der Anhöhe vor Schwanheim ist, geladen.

 Der pensionierte Lufthansa-Pilot Peter Geisinger, Vorsitzender des Vereins "Vernunftkraft Odenwald", referierte anderthalb Stunden lang zu Ursachen, Nutzen und wirtschaftlichen Folgen des Windkraftausbaus. Das Interesse an dem Thema war derart groß, dass die Stühle im Restaurantnebenzimmer nicht für alle Zuhörer ausreichten. Auch einige bekennende Windkraftbefürworter hatten sich unters Publikum gemischt.

Geisinger zog zu Beginn seines Vortrags die Sinnhaftigkeit von Prognosen, was in Hunderttausenden von Jahren eintreten könnte, in Zweifel. Beispielsweise die Aussage eines Wissenschaftlers, die nächste Eiszeit falle aufgrund der vom Menschen verursachten Erderwärmung aus. Hart ging er mit der hauptsächlich von privaten Verbrauchern zu zahlenden Umlage für erneuerbare Energien (EEG-Umlage) ins Gericht. Damit werde die Differenz zwischen dem viel niedrigeren Preis an der Strombörse und dem, was der Anlagenbetreiber erhalte, bezahlt. Wobei laut Geisinger hauptsächlich die Hersteller solcher Anlagen sowie die Projektierter die Profiteure dabei sind. Immerhin 21,8 Milliarden Euro EEG-Umlage seien im Jahr 2015 entrichtet worden, davon 8,1 Milliarden von privaten Haushalten. Die Industrie habe 6,6 Milliarden bezahlt. Der Grund für die Schonung der gewerblichen Verbraucher sei offensichtlich. Denn die könnten bei teuren Energiepreisen ihre Produktionsstätten rasch ins Ausland verlagern und dort recht billigen Strom beziehen. Ein solcher Umzug sei Otto Normalverbraucher im Regelfall halt nicht möglich. Für den habe sich der Strompreis seit dem Jahr 2000 aber verdoppelt.

Verärgert zeigte sich der Referent darüber, dass die Pläne für die Anlagen im "Greiner Eck" und am "Stillfüsel" bei Wald-Michelbach von der grünen Darmstädter Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid quasi "durchgewunken" worden seien. Die Gebiete liegen im Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet. Dennoch habe man seitens des RP "aus Zeit- und Kostengründen" auf eine FFH-Verträglichkeitsprüfung verzichtet. Damit seien private Interessen bedient und Vertrauen zerstört worden, kritisierte Geisinger. "Vernunftkraft Odenwald" habe deswegen Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt, wohl wissend, dass man damit kaum Erfolgsaussichten habe. Überhaupt stellte der Vortragende den weiteren Ausbau der Windkraft in Deutschland aus wirtschaftlichen Gründen in Frage und zitierte den Vorstandsvorsitzenden im Anlegerbeirat Bundesverband Windenergie, Werner Daldorf. Der habe selbst eingeräumt, dass man froh sein müsse, wenn man nach der üblichen Vertragslaufzeit von 20 Jahren sein in Windräder investiertes Kapital wieder zurückbekomme. Von einer Rendite ganz zu schweigen.

Der Odenwald sei eben ein windschwaches Gebiet, in dem Anlagen nicht rentabel zu betreiben seien, sagte der Referent. Das gelte auch für den Hebert. Geisinger bat die Zuhörer, "sich nicht von Propaganda einlullen zu lassen", wenn es um den Bau von Windrädern auf dieser Anhöhe gehe. "Bestehen Sie auf langfristigen Messungen", meinte er zum Punkt "Windgeschwindigkeit". Und brach gleichzeitig eine Lanze für konventionelle Kraftwerke, die eben gerade nicht die Stromnetze verstopften, sondern zu deren Stabilisierung beitrügen. Anhand zahlreicher Diagramme und Thesen versuchte er seine Behauptungen zu untermauern und ging auch auf den "Stromschrott", die Überproduktion, die von Nachbarländern gegen Entgelt abgenommen wird, ein.

Jedes weitere Windrad in der hiesigen Gegend sei eines zu viel, betonte er. "Wenn Sie Ihre Ecke hier sauber halten wollen, dann wehren Sie den Anfängen", rief Geisinger zum Abschluss auf und wies auch auf die "fatalen Auswirkungen" der Rotoren für den Tourismus hin. Recht intensiv wurde im Anschluss noch diskutiert.