Leserbriefe

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Mosbacher Nachrichten vom Freitag, 4. November 2016, Seite 6

 

Windkraft in Hüffenhardt

Vom Staat verordnet

Da wird völlig übereilt und ohne erkennbaren Plan wegen Fukushima von unserer Regierung eine Energiewende verordnet, mit Dutzenden von Milliarden Euros aus EEG-Umlagegeldern finanziert, um gar das Weltklima zu retten! „Ja, sind die denn verrückt geworden?!“ Ein gefundener Leckerbissen freilich für eine recht breit aufgestellte Windlobby. Jetzt kann man ein besserer Mensch werden, indem man das Weltklima retten und gleichzeitig zum „Windbauer“ mutieren kann – genial! Landbesitz verpflichtet eben, und natürlich wird das eigene Wohl ganz hinten angestellt für die „gute Sache“. Gleiches gilt selbstredend natürlich auch für windige Projektierer, Wind- und Stromkonzerne.

Neuerdings dürfen auch die Kommunen mit Gemeindeflächen, bevorzugt Waldflächen, auf den „lukrativen“ Zug aufspringen. Auch von der Ingenieurskunst wird man regelrecht in Erstaunen versetzt: Die Türme wachsen neuerdings mit 230 Metern Gesamthöhe ins schier Unendliche gen Himmel, und die Rotorenblätter von 141 Metern Durchmesser durchstreichen eine Fläche von mehr als zwei Fußballfeldern (über 1,5 ha), um selbst den windärmsten Gegenden noch ein kleines Lüftchen abzuringen!

Ein unschlagbares, lukratives Geschäftsmodell, vom Staat verordnet – erinnert irgendwie an die Telekomaktie von damals, dieses todsichere Ding! Wo eine gigantische Werbemaschine in Gang gesetzt wurde, Schauspieler angeheuert wurden für Werbezwecke, die sich später beim Volk dafür entschuldigten für so eine „Schrottaktie“ geworben zu haben. Der Staat hat sich dabei gesundgestoßen, alle Anderen eher weniger!

In den aktuellen Windkraftprojekten hat man es also nun, wie oben erwähnt, auch auf die Kommunen abgesehen. Wer kommt eigentlich für den bereits vorprogrammierten Schaden auf, spätestens dann, wenn vermehrt Instandhaltungskosten auflaufen, die Anlagen mangels Windaufkommen in die Minuszone rutschen und Dutzende von Milliarden Euros EEG-Umlagen wegfallen? Ah, ja! Zuerst die Kommanditisten – alle diejenigen, die investiert haben – und dann die Verpächter, sprich die Kommunen – zum Schluss also doch wieder die Bürger!

In nicht allzu ferner Zukunft wird jede Gemeinde froh darüber sein, dieser Goldgräberstimmung nicht verfallen zu sein und ihre Gemarkungen nicht mit subventionierten Windgiganten nachhaltig zerstört zu haben, zu Lasten nachfolgender Generationen.

Energiewende, ja! Weg vom Atomstrom, ja! Aber mit gesundem Menschenverstand, einem sorgfältig geplanten Konzept und einem ausgewogenen Energiemix. Mit Windenergie in Maßen dort, wo der Wind auch weht, kein Raubbau an Natur und Umwelt betrieben wird, vor allem aber und zu keiner Zeit eine Gefährdung für die Gesundheit von Mensch und Tier ausgeht. Ist nicht die Gesundheit unser höchstes Gut? Deshalb an dieser Stelle: einen großen Dank an die Hüffenhardter und Kälbertshäuser Bürger für das kluge und starke Votum am 30.10.!

Angela Hagendorn, Kälbertshausen

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RNZ, Mosbacher Nachrichten vom Dienstag, 25. Oktober 2016


Windkraft in Hüffenhardt

Hüffenhardt ist belastet genug

Und noch einmal: Hüffenhardt ist belastet genug! Der Dienern-Weg zum Großen Wald in Hüffenhardt ist in diesem Herbst durch Verlegung einer Gasleitung leider gesperrt. Daher fahre ich mit meinem Mann oft zu den niedrigen Wasserbehältern am Krähenbad, wo man mit einem großen Rollstuhl gut parken kann.

Von dort hat man bei guter Sicht einen schönen Ausblick zum Königstuhl und Heiligenberg bei Heidelberg. Vor uns liegt der Große Wald, mal dunkel und geheimnisvoll, mal in bunten Herbstfarben aufleuchtend in der Nachmittagssonne. Wie ein schützender Mantel zieht er sich im Osten entlang der Gemarkungsgrenze von Hüffenhardt/Kälbertshausen. In diesen Wald sind nun sechs bis acht über 200 Meter hohe Windräder geplant – mehr als doppelt so hoch wie der höchste Mast an der Umspannstation!

Reichen die große Umspannstation und der Mastenwald nicht? Über 150 Stahlgittermasten stehen auf der Gemarkung Hüffenhardt/Kälbertshausen! Bürgermeister Walter Neff hat diese Zahl bestätigt. Doch die sind wenigstens statisch. Unvorstellbar, dass sich hoch über dem Wald sechs bis acht Riesen-Windräder drehen sollen! Unvorstellbar auch, was dies für die Binnenstruktur des Waldes und das Leben darin, aber auch für die Menschen im nahen Wohngebiet bedeutet.

Hüffenhardt/Kälbertshausen hätte eigentlich die Qualität eines Luftkurortes mit wunderbarer Fernsicht in viele Richtungen und gesunder Luft. Gesunde Luft neben der Umspannanlage? Sie wurde viel zu nah am Dorf errichtet in direkter Nachbarschaft zum Pflegeheim. Kennen wir die Langzeitwirkung von Elektrosmog auf die Gesundheit? Kennen wir die Ursachen von Krebserkrankungen im angrenzenden Wohngebiet?

Doch damit müssen wir nun leben, ob wir wollen oder nicht. Fehler aus der Vergangenheit müssen die Menschen heute in Hüffenhardt ertragen. Aber hoffentlich keine weitere Belastung durch acht Windräder! Noch ist der Wald ein Zufluchtsort, ein wunderbares Naherholungsgebiet, in 10 bis 15 Minuten zu Fuß erreichbar. Soll auch dies der Technik bzw. dem Profit geopfert werden?

Die Menschen, die das Pflegeheim noch verlassen können, sind auf den Dienernweg, den Blindenrainweg und den Querweg am Krähenbad als Spazierwege angewiesen. Statt schöner Natur wären auf diesen Wegen nur noch technische Anlagen zu sehen und zu hören. Wir alle benötigen Elektrizität, aber Hüffenhardt tut bereits mehr als genug für die Stromwirtschaft!

Es stimmt hoffnungsfroh, dass Hüffenhardter und Kälbertshäuser Bürger einen Bürgerentscheid für den 30.10.2016 erkämpft haben. Doch werden alle die seltsame Abstimmungsfrage verstehen? Sie lautet: Sind Sie gegen die Einleitung einer punktuellen Änderung des Flächennutzungsplans im Gebiet „Großer Wald“, welche die Errichtung von Windkraftanlagen dort ermöglichen soll? Für das Errichten der Windräder müsste also der Flächennutzungsplan geändert werden. Ja, wehren Sie sich gegen die Änderung des Flächennutzungsplans! Stimmen Sie mit „Ja“!

Annemarie Ritter, Haßmersheim

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RNZ, Mosbacher Nachrichten vom Montag, 24. Oktober 2016


Traurig für Natur und Landschaft

Als wir vor über zehn Jahren aus der Großstadt in den Neckar-Odenwald-Kreis zogen, waren wir beeindruckt von der Begegnung mit einer unberührten, stillen und weiten Landschaft, die dem Auge und der Seele wohl tut. Welche Barbarei es darstellt, ausgerechnet diese Gegend – wie bereits andere nun sichtbar zerstörte deutsche Mittelgebirgslandschaften – in der Goldgräberlaune der Windkraftlobbyisten als Vorranggebiete für Windenergie auszurufen, ist augenfällig.

Nachdem der Wald vor dem „Sauren Regen“ gerettet werden konnte, wird er nun schonungslos für gigantische Windräder abgeholzt, welche in der Lage sind, unsere Vogelpopulationen drastisch zu dezimieren – 1990 gab es in Europa eine halbe Milliarde mehr Vögel! Dies alles wird hingenommen, wie man bei den massiven Eingriffen ins Fauna-Flora-Schutzgebiet am „Greiner Eck“ erleben kann, wo Quellen bedroht sind und wichtige Habitatbäume schonungslos der Profitgier zum Opfer fielen.

„Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was man eigentlich durch sie bewahren will: die Natur“, so Reinhold Messner (2002). Ginge es tatsächlich um Ökologie (von griech. oikos: das Haus), könnte nicht ein Teil der Natur gegen einen anderen ausgespielt werden, da alle Ebenen wechselseitig voneinander abhängig sind.

Gegen alle Nachhaltigkeitsprinzipien füllt diese aus Steuermitteln subventionierte Monokultur der sog. Energiewende nur die Taschen der großen Windkonzerne, solange, bis jeder verwertbare Quadratmeter Natur irreversibel in eine riesige Industrielandschaft transformiert sein wird. Und dies, obwohl wir kaum Möglichkeiten besitzen, den „Flatterstrom“ aus der Windenergie zu speichern und deshalb auch längerfristig auf keines unserer Atom- und Kohlekraftwerke verzichten können. Wie traurig für den Natur- und Landschaftsschutz!

Doch eines mag die überschuldeten Kommunen im Land der Häuslesbauer vielleicht dennoch interessieren, welche, ohne die Bedürfnisse der Bewohner zu berücksichtigen, ihre Naherholungsgebiete an große in- und ausländische Windenergiekonzerne verpachten und sich davon die Sanierung ihrer Finanzen versprechen: Kürzlich wollten wir in Haßmersheim-Hochhausen ein für uns geeignetes Haus erwerben und erfuhren dabei vom geplanten Windpark im „Großen Wald“ über dieser Ortschaft.

Dort sollen sieben bis acht jeweils 230 Meter hohe Windkraftanlagen mit einem Rotorendurchmesser von 126 Metern entstehen, gut sichtbar von Mosbach aus, keine 800 Meter von der Hochhausener Bebauung entfernt, Lärm- und Lichtimmissionen, Sonnenschatten, Infraschall, Eisschlag inklusive. Hinzu kommt die Wertminderung einer Immobilie in der Nachbarschaft solcher Anlagen von ca. 30 %, evtl. bis hin zur Unverkäuflichkeit und Unvermietbarkeit. Wir haben auf das Haus verzichtet, denn wer schießt seine Altersvorsorge schon in den Wind? Es lebe die Landflucht! Auf in die Großstadt! Ob das den verschuldeten Landkommunen nützt?

S. Schöni

 

Kraichgaustimme, Leserbrief vom 22. August 2016


"Demokratiemangel", zum Thema „Grenzen des Einflusses“ vom 2. August

Die Bürger können abstimmen, ob Olympia stattfindet wie in München, der Bahnhof in Stuttgart gebaut wird, ein Supermarkt entsteht oder Turnhallen oder Mensen (Mulfingen) so oder so gebaut werden. Nur eines können sie nicht, weitaus bedrückendere Bauten wie die Riesenwindkrafträder mit 220 Metern Höhe, die sich drehen und nachts blinken, zu verhindern. Deswegen ist es mutig und wichtig, dass die Gemeinde Hüffenhardt im Neckar-Odenwald-Kreis darüber abstimmt, ob sieben große Windkrafträder gebaut werden dürfen oder nicht, wobei die Entscheidung zunächst ohne rechtliche Wirkung ist. Das ist ein Mangel der demokratischen Bürgerbeteiligung. Dennoch ist die Abstimmung wichtig, weil vielleicht verwaltungsgerichtliche Verfahren doch den Bürgerentscheid berücksichtigen. Ich kann nur andere Gemeinden ermutigen, denselben Schritt zu gehen, denn wenn die Windkrafträder stehen, ist es zu spät.

Dr. Wolfgang Frhr. v. Stetten, Künzelsau