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RNZ, Mosbacher Nachrichten vom Dienstag, 25. Oktober 2016


Windkraft in Hüffenhardt

Hüffenhardt ist belastet genug

Und noch einmal: Hüffenhardt ist belastet genug! Der Dienern-Weg zum Großen Wald in Hüffenhardt ist in diesem Herbst durch Verlegung einer Gasleitung leider gesperrt. Daher fahre ich mit meinem Mann oft zu den niedrigen Wasserbehältern am Krähenbad, wo man mit einem großen Rollstuhl gut parken kann.

Von dort hat man bei guter Sicht einen schönen Ausblick zum Königstuhl und Heiligenberg bei Heidelberg. Vor uns liegt der Große Wald, mal dunkel und geheimnisvoll, mal in bunten Herbstfarben aufleuchtend in der Nachmittagssonne. Wie ein schützender Mantel zieht er sich im Osten entlang der Gemarkungsgrenze von Hüffenhardt/Kälbertshausen. In diesen Wald sind nun sechs bis acht über 200 Meter hohe Windräder geplant – mehr als doppelt so hoch wie der höchste Mast an der Umspannstation!

Reichen die große Umspannstation und der Mastenwald nicht? Über 150 Stahlgittermasten stehen auf der Gemarkung Hüffenhardt/Kälbertshausen! Bürgermeister Walter Neff hat diese Zahl bestätigt. Doch die sind wenigstens statisch. Unvorstellbar, dass sich hoch über dem Wald sechs bis acht Riesen-Windräder drehen sollen! Unvorstellbar auch, was dies für die Binnenstruktur des Waldes und das Leben darin, aber auch für die Menschen im nahen Wohngebiet bedeutet.

Hüffenhardt/Kälbertshausen hätte eigentlich die Qualität eines Luftkurortes mit wunderbarer Fernsicht in viele Richtungen und gesunder Luft. Gesunde Luft neben der Umspannanlage? Sie wurde viel zu nah am Dorf errichtet in direkter Nachbarschaft zum Pflegeheim. Kennen wir die Langzeitwirkung von Elektrosmog auf die Gesundheit? Kennen wir die Ursachen von Krebserkrankungen im angrenzenden Wohngebiet?

Doch damit müssen wir nun leben, ob wir wollen oder nicht. Fehler aus der Vergangenheit müssen die Menschen heute in Hüffenhardt ertragen. Aber hoffentlich keine weitere Belastung durch acht Windräder! Noch ist der Wald ein Zufluchtsort, ein wunderbares Naherholungsgebiet, in 10 bis 15 Minuten zu Fuß erreichbar. Soll auch dies der Technik bzw. dem Profit geopfert werden?

Die Menschen, die das Pflegeheim noch verlassen können, sind auf den Dienernweg, den Blindenrainweg und den Querweg am Krähenbad als Spazierwege angewiesen. Statt schöner Natur wären auf diesen Wegen nur noch technische Anlagen zu sehen und zu hören. Wir alle benötigen Elektrizität, aber Hüffenhardt tut bereits mehr als genug für die Stromwirtschaft!

Es stimmt hoffnungsfroh, dass Hüffenhardter und Kälbertshäuser Bürger einen Bürgerentscheid für den 30.10.2016 erkämpft haben. Doch werden alle die seltsame Abstimmungsfrage verstehen? Sie lautet: Sind Sie gegen die Einleitung einer punktuellen Änderung des Flächennutzungsplans im Gebiet „Großer Wald“, welche die Errichtung von Windkraftanlagen dort ermöglichen soll? Für das Errichten der Windräder müsste also der Flächennutzungsplan geändert werden. Ja, wehren Sie sich gegen die Änderung des Flächennutzungsplans! Stimmen Sie mit „Ja“!

Annemarie Ritter, Haßmersheim