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RNZ, Mosbacher Nachrichten vom Montag, 24. Oktober 2016


Traurig für Natur und Landschaft

Als wir vor über zehn Jahren aus der Großstadt in den Neckar-Odenwald-Kreis zogen, waren wir beeindruckt von der Begegnung mit einer unberührten, stillen und weiten Landschaft, die dem Auge und der Seele wohl tut. Welche Barbarei es darstellt, ausgerechnet diese Gegend – wie bereits andere nun sichtbar zerstörte deutsche Mittelgebirgslandschaften – in der Goldgräberlaune der Windkraftlobbyisten als Vorranggebiete für Windenergie auszurufen, ist augenfällig.

Nachdem der Wald vor dem „Sauren Regen“ gerettet werden konnte, wird er nun schonungslos für gigantische Windräder abgeholzt, welche in der Lage sind, unsere Vogelpopulationen drastisch zu dezimieren – 1990 gab es in Europa eine halbe Milliarde mehr Vögel! Dies alles wird hingenommen, wie man bei den massiven Eingriffen ins Fauna-Flora-Schutzgebiet am „Greiner Eck“ erleben kann, wo Quellen bedroht sind und wichtige Habitatbäume schonungslos der Profitgier zum Opfer fielen.

„Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was man eigentlich durch sie bewahren will: die Natur“, so Reinhold Messner (2002). Ginge es tatsächlich um Ökologie (von griech. oikos: das Haus), könnte nicht ein Teil der Natur gegen einen anderen ausgespielt werden, da alle Ebenen wechselseitig voneinander abhängig sind.

Gegen alle Nachhaltigkeitsprinzipien füllt diese aus Steuermitteln subventionierte Monokultur der sog. Energiewende nur die Taschen der großen Windkonzerne, solange, bis jeder verwertbare Quadratmeter Natur irreversibel in eine riesige Industrielandschaft transformiert sein wird. Und dies, obwohl wir kaum Möglichkeiten besitzen, den „Flatterstrom“ aus der Windenergie zu speichern und deshalb auch längerfristig auf keines unserer Atom- und Kohlekraftwerke verzichten können. Wie traurig für den Natur- und Landschaftsschutz!

Doch eines mag die überschuldeten Kommunen im Land der Häuslesbauer vielleicht dennoch interessieren, welche, ohne die Bedürfnisse der Bewohner zu berücksichtigen, ihre Naherholungsgebiete an große in- und ausländische Windenergiekonzerne verpachten und sich davon die Sanierung ihrer Finanzen versprechen: Kürzlich wollten wir in Haßmersheim-Hochhausen ein für uns geeignetes Haus erwerben und erfuhren dabei vom geplanten Windpark im „Großen Wald“ über dieser Ortschaft.

Dort sollen sieben bis acht jeweils 230 Meter hohe Windkraftanlagen mit einem Rotorendurchmesser von 126 Metern entstehen, gut sichtbar von Mosbach aus, keine 800 Meter von der Hochhausener Bebauung entfernt, Lärm- und Lichtimmissionen, Sonnenschatten, Infraschall, Eisschlag inklusive. Hinzu kommt die Wertminderung einer Immobilie in der Nachbarschaft solcher Anlagen von ca. 30 %, evtl. bis hin zur Unverkäuflichkeit und Unvermietbarkeit. Wir haben auf das Haus verzichtet, denn wer schießt seine Altersvorsorge schon in den Wind? Es lebe die Landflucht! Auf in die Großstadt! Ob das den verschuldeten Landkommunen nützt?

S. Schöni