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Bürgerinitiative „Pro Lebensraum Großer Wald“ e. V.

Bürgerinformation Nr.4 "Gesundheitsrisiko oder nur Spinnerei?"

 

Zweifelsfrei werden durch Windkraftanlagen (WKA) verschiedene Immissionen freigesetzt, die für die Gesundheit der umliegend wohnenden Bürger ein Gesundheitsrisiko bergen. Nicht umsonst sind hierfür im Bundesimmissionsschutzgesetz entsprechende Normen und Grenzwerte vorgegeben. Die wichtigsten Immissionen sind Lichtbelastung (Disco-Effekt), Schlagschatten, Lärm durch tieffrequenten Schall (u.a. der „Wusch- Wusch“ - Effekt) und Infraschall (Töne unterhalb von 20 Hz, die nicht hörbar sind).
Je höher eine WKA, desto weiter sind die Signallichter bei Nacht sichtbar, desto weiter macht sich der Schattenschlag, der sich vor der einstrahlenden Sonne drehenden Rotorblätter bemerkbar, desto weiter wird der tieffrequente Lärm getragen (bei Nacht sind Außenschallpegel bis 45 dBA in Dorf-Mischgebieten erlaubt, das entspricht der Lautstärke eines normalen Gesprächs – werden Sie nachts auch wach, wenn sich auf der Straße vor Ihrem Schlafzimmer Personen unterhalten?) und desto mehr Infraschall mit höheren Schalldruckpegeln entsteht. Die bei uns geplanten WKA sollen bei einer Nabenhöhe von 149 m und einer Gesamthöhe von 212 m mit die höchsten werden, die in Baden-Württemberg bisher gebaut wurden bzw. gebaut werden sollen!
Natürlich sind durch entsprechende Maßnahmen wie ausreichende Mindestabstände und Lichtsignalsynchronisierung vor allem die Einflüsse von Lichteffekten, Schlagschatten und tieffrequentem Schall auf vermeintlich zumutbare Mindestbelastungen reduzierbar, eine nicht vorhersehbare Gefährdung für sensible Anwohner bleibt dennoch. Sensible Personen können durch Reizung ihrer Lichtrezeptoren im Schlaf Störungen ihres Tag-Nacht Rhythmus bekommen, die denen von Nachtschichtarbeitern gleichen. Sensible Personen können psychonervöse Störungen durch das pulsierende Hell-Dunkel-Hell-Dunkel des Schlagschattens entwickeln. Durch tieffrequente Töne können Stresssyndrome mit Auswirkung auf zahlreiche Körpersysteme entstehen. Experten schätzen den Anteil sensibler Personen in der Bevölkerung auf 20-30 %.

UND eine besondere Gefährdung geht nach neuen Untersuchungen und Studien von Akustikexperten (Schallexperten) von Infraschall aus. Leider finden diese Aussagen bisher in der BRD und auch in unserer Kommune wenig Gehör. Im Gegenteil, Politiker und Windenergiebefürworter bezweifeln solche Untersuchungen und berufen sich hierbei auf nicht zeitgemäße Studien, Meßmethoden und Normen, wie die bisherige TA-Lärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm) oder die DIN Norm 45631 nach Dezibel-A.
„Was man nicht hört, kann nicht gefährlich sein“. Vor ca. 50 Jahren hörte man ähnliche Argumente bei der Diskussion um die Atomenergie. Heute wissen wir es besser und es entsteht eine hysterische Panik bei Diskussionen um Atomstrom. Hiermit sollen auf keinen Fall Windräder mit Atomkraftwerken gleichgestellt werden, aber wir sollten aus der Erfahrung lernen und mögliche Risiken ernst nehmen und den Bürgern in allen Belangen den bestmöglichen Schutz gewährleisten!

Mit der Aussage „ wir machen alles richtig, wir beachten alle Richtwerte und alle gesetzlichen Vorgaben“ ist es nicht getan. Vor allem nicht, wenn man die bisher auch nicht berücksichtigten und nicht über-prüften Belastungen durch elektromagnetische Wellen hinzunimmt, die durch „unsere“ Stromleitungen und „unser“ Umspannwerk auf uns einwirken. Direkte Wechselwirkungen sind bisher nicht untersucht (lt. persönlicher Anfrage beim Fraunhofer Institut), aber EINE bedeutende Gesundheitsbelastung durch Industrieanlagen reicht. Aussagen wie die einer Gemeinderätin „da steht soviel rum und die Leute haben sich daran gewöhnt, sie werden sich auch noch an die Windräder gewöhnen“, sind ein Schlag ins Gesicht jedes möglicherweise gesundheitlich Betroffenen.

Was ist Infraschall und was macht ihn gefährlich? Infraschall sind Töne unterhalb des menschlichen Hörbereichs mit sehr langen Wellenlängen. An einer WKA entstehen sie, wenn ein Rotor am Turm vorbei streicht und dabei die Luft komprimiert wird. Ein sehr häufig entstehender Ton ist der 1Hz Ton, der eine Wellenlänge von ca. 340 m hat. Das heißt alle 340 m hat die Schallwelle einen Wellenberg. Erst nach einigen km ist die Schallwelle abgeebbt. Diese Töne durchdringen deshalb feste Materialien wie Baukörper und werden nach Aussage von Schallexperten in Innenräumen verstärkt, das heißt ihre Schalldruckpegel nehmen zu (höhere Dezibelwerte). Dadurch entsteht ein erhöhter Druck auf unsere Innenohrorgane, auch wenn, wie gesagt NICHTS zu hören ist und es treffen Schwingungen oder Vibration auf unsere Körpersysteme, deren Grundschwingungen gestört werden können.

Die Windkraftbranche und ihre politischen Unterstützer bezweifeln bisher solche Auswirkungen und reden zum Teil sogar von Spinnerei, Einbildung und esoterischem Getue. Begründet wird dies unter Berufung auf Untersuchungen, die sich allerdings nach Meinung renommierter Schallexperten auf veraltete, nicht aussagekräftige Meßmethoden und Normen beziehen.
Prof. Krahe (Bergische Uni Wuppertal) führte im Auftrag des Umweltbundesamts 2014 eine umfang-reiche Metaanalyse (d.h. eine quantitative bzw. statistische Zusammenfassung bestehender Studien) zum Infraschall durch. Sein Ergebnis: „die Art der Schallmessung, die vom Immissionsschutzgesetz vorgeschrieben wird, ignoriert die Wirkung von tiefen Frequenzen in Innenräumen völlig, da sie nach der geltenden TA-Lärm stets im Freien stattfindet und nach der dBA Bewertung gemessen wird, die tiefe Töneunter 8 HZ nicht ausreichend berücksichtigt“. Er empfiehlt umfangreiche neue Folgestudien, gerade auch wegen der immer höher werdenden WKA. Er sagt: „…man kann nicht davon ausgehen, dass das Abstrahlungs- und Ausbreitungsmodell für kleinere Anlagen auf moderne, große übertragbar ist“.
Auch die vom LUBW (Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz BW) vor den Landtagswahlen veröffentlichte Studie, auf die sich auch hiesige Kommunalpolitiker berufen, wurde nach den oben genannten Kriterien erstellt.
Sven Johannsen, Geschäftsführer des Gutachter- und Sachverständigen Zentrums für Umweltmessungen (GuSZ) meint dazu, dass „es entscheidend ist, wo gemessen wird, nämlich in den Räumen, denn die wirken wie Resonanzkörper.“ Auch er fordert neue Standards für Meßmethoden undhöhere Mindestabstände zu Wohnbereichen. Das GuSZ führt seine Messungen mit mikrobaren Drucksensormessgeräten und nicht mit Mikrofonen durch und zwar in- und außerhalb von Gebäuden.
In Bayern wird die Forderung nach größeren Mindestabständen bereits umgesetzt. Dort gilt die 10H Regel, das heißt der Abstand WKA zu Wohnbereich muss mindestens das 10-fache der Anlagenhöhe betragen. Aber auch in der Politik werden Stimmen zu mehr Menschenschutz laut. Der BW Land-wirtschaftsminister Hauck (CDU) empfiehlt größere Abstände und verweist u.a. auf die unbekannten Auswirkungen von Schlagschatten und Infraschall (vgl. Interview in der RNZ vom 02.09.2016).

Neuere, aussagekräftige Studien bestätigen den Zusammenhang von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Entfernung zu WKA. Claire Paller, Universität Waterloo, Kanada, 2014, belegte bei der Untersuchung von 396 Personen signifikant das häufigere Auftreten von Schlafstörungen, Schwindel und Tinnitus, je näher der Abstand zu WKA war. Steven Cooper, Australien, 2014, veröffentlichte eine 230 Seiten starke Studie und belegte ebenfalls einen eindeutigen Zusammenhang zwischen WKA und gesundheitlichen Beschwerden, die desto deutlicher auftraten, wenn Tieftonfrequenzspitzen hohe Schalldruckpegel (in dB) aufwiesen. Beachtlich bei dieser Untersuchung ist, dass der Betreiber der Bridgewater Wind Farm voll kooperierte. Erkennen Sie die Zusammenhänge: Innenräume/Schalldruck/Abstand/Höhe der WKA/Beschwerden?

Und die Gretchenfrage zum Schluss: Was, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen falsch sind?

 

 

Der BI-Vorstand: Armin Hagendorn, Bernd Siegmann, Petra Vornhagen, Thorsten Ruf, Horst Kühner, Lothar Sigmann, Tatjana Frey Hüffenhardt/Kälbertshausen

 

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Für den 30.10.2016 gilt: Stimmen Sie mit „JA“ wenn Sie dagegen sind!

 


 

Anlage zur Bürgerinformation Nr. 4 "Gesundheitsrisiko oder nur Spinnerei?"

 

Quellen:

Machbarkeitsstudie des Umweltbundesamts, Prof. Dr. Ing. Krahe, Bergische Universität Wuppertal, 2014:135 Seiten. Zusammenfassende Beurteilung von Veröffentlichungen seit 1950 zum Thema Lärm - Infraschall und Auswertung von Fragebögen zu Belastungen durch diese. Besonders interessant Seiten 64-68:
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/machbarkeitsstudiezu-wirkungen-von-Infraschall

Claire Paller et. al. Universität of Waterloo, Canada, 2014. Studie mit 396 untersuchten Personen:
www.windvictimsontario.com

Steven Cooper, Cape Bridgewater Windfarm Australien, 2014: Befragung von Anwohnern der Windkraftanlagen zu Wahrnehmungen (sensations) ohne Wissen, ob die Anlagen in Betrieb sind oder nicht:
www.pacifichydro.com

Sven Johannsen – GuSZ:
www.umweltmessung.com

Veröffentlichung in den Heidenheimer Zeitung, Neues Gutachten befeuert Windkraftdebatte:
http://www.swp.de

PDF Datei zur 10H Regel in Bayern:
www.bayern.landtag.de