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Wir leben gerne in Hüffenhardt und Kälbertshausen. Wir sind hier aufgewachsen oder haben uns bewusst dazu entschieden hier zu leben. Andere Wohnorte haben viele Annehmlichkeiten, auf die wir hier verzichten müssen. Dafür haben wir etwas, was dieses Defizit aufwiegt und uns dazu bringt, an diesem Ort zu bleiben oder hierher zu kommen: Nämlich Natur und Stille in einem intakten Lebensraum. Wir erinnern uns an schöne Nächte auf Balkon oder Terrasse in einer erholsamen Ruhe, auf vorbeifliegende Fledermäuse bei ihren nächtlichen Streifzügen, auf die Vielzahl der anmutig im Wind treibenden Greifvögel. Auch an viele Waldspaziergänge und schöne unverbaute Fernblicke (abgesehen vom „Großen Mastenwald“), eben intakte Natur. Die Windkraftpläne im „Großen Wald“ würden dieses Lebensgefühl nachhaltig zerstören!

Die Einordnung der Windkraftplanungen im „Großen Wald“ in die komplexen überregionalen Thematiken wie zum Beispiel die Energiewende, die Energiepolitik, dem Südlink, die CO2-Bilanz, die Klimaveränderungen und das Weltklima kann an dieser Stelle nicht erfolgen. Hier soll auf die regionalen Auswirkungen der 7 Windkraftanlagen im „Großen Wald“ eingegangen werden, die uns direkt berühren!

Warum wurde die Bürgerinitiative erst im Februar 2016 aktiv?
Nach der Veröffentlichung der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung vom 24.02.2016 haben die Gründer der Bürgerinitiative die Brisanz der Tagesordnung erkannt und sich spontan zu einer losen Interessengemeinschaft zusammengefunden, aus der sich dann bereits am 04.03.2016 die Bürgerinitiative „Pro Lebensraum Großer Wald“ gegründet hat.

Die zum Dezember 2015 geänderte Gesetzeslage hat uns erstmals demokratische Mittel zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe die Durchführung des Bürgerentscheids am 30.10.2016 ermöglicht wird.

Warum ist die Bürgerinitiative „Pro Lebensraum Großer Wald“ e.V. gegen den Bau der 7 Windkraftanlagen im „Großen Wald“?
Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Windkraft. Wir halten die Errichtung von 7 Windkraftanlagen - aufgrund ihrer Größe und deren massiven Auswirkungen auf uns Menschen, sowie der Tier- und Pflanzenwelt - für einen solch  gewaltigen und nachhaltigen Eingriff in den täglichen Lebensraum  der Bürger von Hüffenhardt und Kälbertshausen, dass es einer sorgfältigen Risikoabwägung bedarf.
Ja, wir wollen die Windkraftanlagen nicht nur nicht vor unserer eigenen Haustür, Windkraftanlagen haben vor niemanden Haustür etwas verloren!

Es gibt in Baden-Württemberg zahlreiche geeignete Standorte für Windkraftanlagen. Diese gilt es zu suchen und zu nutzen. Die Anzahl der potenziellen Windkraftstandorte kann sich nur aus der Abarbeitung einer Kriterienliste ergeben und nicht aus ideologischen, willkürlich gezogenen Mengenvorgaben, denen alles andere unterzuordnen ist.

Diese Arbeit der Standortsuche nach definierten Kriterien liegt bisher beim Regionalverband Rhein-Neckar. Dort wird von Spezialisten in einem öffentlichen und transparenten Verfahren unter der Beteiligung aller in der Region Betroffenen und unter Beachtung der Interessen und Vorgaben des Landes und der Kommunen ein Regionalplan erstellt.

Der derzeitig gültige Regionalplan als auch der Planentwurf des aktuell in Aufstellung befindlichen neuen Regionalplans sah bisher und sieht auch künftig für den Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Haßmersheim-Hüffenhardt keine Gebiete für Windenergieanlagen vor.

Dass die Regionalpläne für die Verwaltungsgemeinschaft Haßmersheim-Hüffenhardt keine Gebiete für die Windkraftnutzung ausweisen, hat einen guten Grund:

Es fehlt der Wind!

Für den Beginn eines wirtschaftlichen Betriebs einer Windkraftanlage wird von Windkraftbetreibern eine durchschnittliche Windstärke von 6 m/s in 140 m Höhe genannt.

An den 8 Standorten im „Großen Wald“ wurden laut Aussage der Firma Fortwengel eine Windstärke von 5,4 - 5,8 m/s auf 149 m Höhe gemessen. Dies bedeutet, dass auf 140 m Höhe die Windstärke nur noch bei ca. 5,3 – 5,7 m/s liegt.

Die für den Beginn eines wirtschaftlichen Betriebs notwendige Windstärke wird im „Großen Wald“ somit um 0,3 - 0,7 m/s unterschritten.

Die projektierte Windkraftanlage Vestas V126-3.3 erreicht bei einer Windgeschwindigkeit von 12 m/s ihre installierte Leistung also die volle Leistung von 3.300 kW.

Weshalb ein windreicher Standort für die Wirtschaftlichkeit so wichtig ist, wird bei der weiteren Betrachtung der tatsächlichen Leistung der Windkraftanlage deutlich:

Bei einer Halbierung der Windstärke von 12 m/s auf 6 m/s reduziert sich die Leistung bereits deutlich von 3.300 kW auf 710 kW, dies entspricht einer Reduktion um 78,5% auf nur noch 21,5% der installierten Leistung.
Bei 5,7 m/s sind dies noch 610 kW oder 18,5% und bei 5,3 m/s bleiben nur noch 480 kW oder 14,5% der installierten Leistung.

Eine vermeintliche geringe Unterschreitung der Wirtschaftlichkeitsgrenze um 0,3 m/s bzw. 0,7 m/s, führt zu einer weiteren Ertragseinbuße von 3% bzw. 7%.

Fazit: Aufgrund der dargestellten maximalen Leistung der Windkraftanlagen unterhalb der Rentabilitätsgrenze, halten wir am Standort „Großer Wald“ einen wirtschaftlichen Betrieb für nicht möglich.

Neben den genannten wirtschaftlichen Gründen sprechen auch die folgenden Gründe gegen einen Bau der geplanten 7 Windkraftanlagen: 

Standort
Die Windkraftanlagen stehen mit ihrer Höhe von 212 m zu nahe an der Wohnbebauung. Die Bayrische 10H-Regelung mit einem Abstand von 2.120 m geht hier in die richtige Richtung.

Windkraftanlagen gehören nicht in den Wald! Befürchtungen, dass dann 2-3 Windkraftanlagen auf die Wiese gebaut werden, wenn die 7 Windkraftanlagen im „Großen Wald“ nicht gebaut werden sind unbegründet (z.B. Abstandsflächen zur Wohnbebauung, Strommasten, Straßen etc.).

Immobilienwertverlust
Nachfolgend nur vier Beispiele für Fälle, die den Immobilienmarkt betreffen:

  • Wenn Bürger von Hüffenhardt und Kälbertshausen in ein Seniorenheim umziehen, wird oftmals zur Finanzierung das zuvor bewohnte Eigentum (Altersvorsorge) vermietet oder verkauft.
  • Im selbst gebauten Haus wird eine Wohnung zur Finanzierung des Eigenheims vermietet.
  • Die eigenen Kinder wollen eine Familie gründen und im Ort bauen.
  • Der neue Arbeitsplatz liegt in unserer Region, es wird eine Mietwohnung oder ein Bauplatz im ländlichen Umfeld gesucht.

Mit den Windkraftanlagen (WKA) vor unserem Ortseingang wird jeder potenzielle Interessent abgeschreckt und an anderer Stelle weitersuchen. Dies wird zu einer Reduktion der Nachfrage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt führen. Eine verringerte Nachfrage führt zu sinkenden Miet- und Immobilienpreisen. In direkter Lage zu den WKA kann dies zu längerem Leerstand oder gar zur Unverkäuflichkeit führen.

Gesundheitsrisiken, Lärmbelästigung, Lichtbelastung und Schlagschatten
Von WKA gehen zweifelsfrei Gesundheitsrisiken wie zum Beispiel Lärm durch tieffrequenten Schall und Infraschall aus.

Je höher eine WKA, desto weiter wird der tieffrequente Lärm getragen und desto mehr Infraschall entsteht (bei Nacht sind Außenschallpegel bis 45 dBA für Außenbereiche, Dorf- und Mischgebiete erlaubt, das entspricht der Lautstärke eines normalen Gesprächs), desto weiter sind die Signallichter bei Nacht sichtbar und bei Sonneneinstrahlung werfen die drehenden Rotorblätter den Schlagschatten weit in die Gemeinden hinein.

Richtlinien und Abstandsregelungen die aus Zeiten stammen als die WKA noch 70-80 m hoch waren, sind bei den heutigen Anlagenhöhen von über 200 m nicht mehr zeitgemäß. Wir sollten aus der Erfahrung lernen und mögliche Risiken ernst nehmen und den Bürgern in allen Belangen den bestmöglichen Schutz gewährleisten! Experten schätzen den Anteil sensibler Personen in der Bevölkerung auf 20-30 % (vor allem Kinder und älteren Menschen). Eine Gewöhnung an die Belastungen ist für diesen Personenkreis nicht möglich.

Erholungsfunktion, Natur- und Artenschutz
Durch den Bau eines aus sieben 212 m hohen Windindustrieanlagen bestehenden Windparks an raumbedeutsamer, landschaftssensibler und ökologisch wertvoller Stelle und den damit verbundenen Eingriffen in Landschaft und Natur, würde der „Große Wald“ seine bisherigen Funktionen als Erholungswald für die Bevölkerung und als Habitat/Rückzugs- und Brutgebiet für viele, darunter seltene und auch auf allen Schutzlisten stehenden Arten weitgehend verlieren.

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger aus Hüffenhardt und Kälbertshausen,
als besorgte Bürgerinnen und Bürger haben wir uns zur Bürgerinitiative „Pro Lebensraum Großer Wald“ e.V.  zusammengeschlossen, um der Bürgerschaft die gegen den Bau der 7 Windkraftanlagen im „Großen Wald“ ist, eine Stimme zu geben.
Wir möchten den Bau von Windkraftanlagen auf der Gemarkung Hüffenhardt und Kälbertshausen verhindern und damit den „Großen Wald" als Naherholungsgebiet für uns Menschen und als Lebensraum für Tier- und Pflanzenwelt erhalten.

Auf diesem Weg haben wir mit der Erklärung der Zulässigkeit des Bürgerbegehrens bereits einen wichtigen Meilenstein erreicht.

Lassen Sie uns einen weiteren Meilenstein hinzufügen und gehen Sie am Sonntag, 30.10.2016 zur Wahl oder nutzen Sie die Möglichkeit der Briefwahl und geben Sie unserem „Großen Wald“ Ihre Stimme.

Jetzt kommt es auf Sie an!

In der Gemeinderatssitzung am 29.09.2016 hat sich bei den Gemeinderäten die eine Stellungnahme abgegeben haben eine Mehrheit dafür ausgesprochen, das Wählervotum anzunehmen und bei einer Mehrheit von JA-Stimmen die Windkraftpläne nicht mehr weiter zu verfolgen. Daher brauchen wir eine hohe Wahlbeteiligung und viele JA-Stimmen um dem Gemeinderat das Signal zur Kündigung des Pachtvertrags zu geben.

Bitte beantworten Sie am 30.10.2016 die Frage:

"Sind Sie gegen die Einleitung einer punktuellen Änderung des Flächennutzungsplans im Gebiet "Großer Wald", welche die Errichtung von Windkraftanlagen dort ermöglichen soll?"

mit „JA“.

Für den 30.10.2016 gilt:

Stimmen Sie mit „JA“ wenn Sie dagegen sind!

Wir bedanken uns bei der Bürgerschaft für den großen Rückhalt, den wir bei unserer Informationsarbeit erfahren durften.

Der BI-Vorstand:
Armin Hagendorn, Bernd Siegmann, Petra Vornhagen, Thorsten Ruf, Horst Kühner, Lothar Sigmann, Tatjana Frey

Veröffentlicht im Amtsblatt Hüffenhardt, 07.10.2016