Berichtüber die Teilnahme der Bürgerinitiative

„Pro Lebensraum Großer Wald“, Hüffenhardt an der Besichtigung des Windkraft-Standorts Buchen-Hettingen

Bürgerinitiative sieht sich in ihren Befürchtungen bestätigt

Auf Einladung von Bürgermeister Neff und des Gemeinderats haben 16 BI-Mitglieder an einer von der Gemeindeverwaltung ausgerichteten Exkursion zu einem auf Gemarkung von Buchen errichteten Windpark teilgenommen. Einschließlich einiger Gemeinderäte und weiterer Bürger aus Hüffenhardt wareninsgesamt ca. 40 Personen anwesend, unter ihnen auch Frau Ludewig (Projektleiterin bei Windkraft-Initiator Fortwengel). Der Windpark wurde an einem Wald-Standort gebaut und besteht aus 5 jeweils ca. 200 m hohen Windindustrieanlagen, die seit dem Jahr 2013 am Netz sind. Über Details vor Ort berichteten Herr Brunner(Mitgesellschafter) sowie Herr Leitz (Jagdpächter), in dessen Revier die WKA-Standorte platziert sind. Vor dem Hintergrund der auf eigener Gemarkung im „Großen Wald“ vom Bürgermeister forcierten Windkraft-Planungen und einer nach Meinung vieler Bürger nach wie vor lückenhaften und daher äußerst unbefriedigenden Informationslagewar es das Ziel der an der Exkursion teilnehmenden Bürger, „aus erster Hand“ weitere Informationen über einen bereits in Betrieb befindlichen Windpark zu erhalten.

Der Jagdpächter berichtete relativ offen über die infolge von Bau und Betrieb aus Sicht der Jäger entstandenen Nachteile. Obwohl er ein Windkraftbefürworter sei, vertrete er die Auffassung, dass diese Anlagen nicht in den Wald, sondern auf „ein freies Feld“ gehörten. Ihm zufolge würden Wald-Standorte auf Druck der Standort-Kommunen vor allem deshalb gewählt, weil Eigentümer des Walds in den allermeisten Fällen die Kommune oder das Land sei und aus der Verpachtung des Grund und Bodens Pachteinnahmen zugunsten der Kommune erzielbar seien. Den Angaben zufolge erzeugen die Anlagen am Maschinengehäuse eine Lautstärke von bis zu 103 dB(A). Diese weit hörbare und überall im 200 ha großen Revier wahrnehmbare Lärm-Immission trage so weit, dass er diese auf einem über 1km weit entfernten Ansitz noch als deutliches permanentes Hintergrundrauschen höre. Im Gegensatz bspw. zu einem vorbei fahrenden Auto verursachen die Anlagen ein Dauergeräusch, wenn Wind weht. Vogelsang und ziehendes Wild sei somit nicht mehr wahrnehmbar. Während ein Ansitz vor dem Bau der Windkraftanlagen in der Regel ca. 3h gedauert habe, treiben ihn nun eine „innere Unruhe“ und ein „undefinierbares Unwohlsein“ oft bereits nach 1h nach Hause. Anderen Jägern gehe es genauso. Früher sei die Jagd ein „Naturerlebnis“ gewesen, dies sei jetzt vorbei. In den Abendstunden und nachts habe man den Eindruck, dass man auf eine beleuchtete Raffinerie schaue. Sein Fazit: "Wenn ich die Windräder nicht hätte, wäre es mir auch recht, dafür würde ich auch auf eine Verminderung der Jagdpacht verzichten."

Über weitere Details berichtete Mitgesellschafter Brunner. Hinsichtlich der dort zur Wohnbevölkerung bestehenden Entfernung von ca. 2,2 - 2,8 km meinte er: „Je weiter weg, desto besser.“Die seinen Angaben nach bisher vorhandene Wirtschaftlichkeit begründete er mit der „optimalen Lage“, der dadurch bedingten guten Windhöffigkeit und insbesondere damit, dass der Standort 450 m „über NN“ liege. In der Windkraft-Branche gilt als Faustregel, dass Windkraftanlagen umso wirtschaftlicher sind, je höher die Anlagen sind und je höher der Standort liegt, weil damit das in höheren Sphären - wenn der Wind weht - abgreifbare Windvolumen in größerem Umfang vorhanden sei. Im Vergleich zu Buchen liegt der geplante Standort in Hüffenhardt bei lediglich 280 m - 320 m.

Der vom Netzbetreiber in Hettingen vorgegebene Einspeisepunkt erfordert im Vergleich zu Hüffenhardt eine deutlich kleinere Umspannstadion, da nur in eine 20 KV-Leitung eingespeist wird; in Hüffenhardt dagegen wäre eine deutlich größere, kostenhöhereund neu zu bauende Umspannstation nötig, weil in eine 110 KV-Leitung eingespeist werden müsste.

Auf Nachfrage konnten keine Angaben zur Höhe der Rückbaukosten und der dafür im Jahresabschlussfür Rückbauverpflichtungen gebildeten Rückstellungen gegeben werden. Die Rückbaukosten bei vergleichbaren Anlagen und ähnlichen Standorten in Baden-Württemberg betragen ca. 170 000 € je Anlage, unter Berücksichtigung der jährlichen durchschnittlichen Kostensteigerung summieren sich diese nach einer 20 - 25 Jahren laufenden Nutzungsdauer auf ca. 350 000 € je Anlage. Angaben zu den in den abgelaufenen Geschäftsjahren 2013 – 2015 erzielten Jahresergebnissen konnten ebenfalls nicht erteilt werden.

Der Projektbeteiligte begründete die Akzeptanz der anliegenden Bewohner mit der frühen Information und dem hohen Abstand zur Wohnbebauung. Seiner Meinung nach sind die im BW-Windkrafterlass enthaltenen Mindest-Entfernungen viel zu gering. Risiken bzgl. Rotmilan-Vogelschlag und Fledermaus-Vorkommen haben im Genehmigungsverfahren aufgrund nur geringer Population keine Rolle gespielt, im Gegensatz zu Hüffenhardt, wo der Gutachter jeweils eine sehr große Population aus insgesamt 46 Vogel- und 11 Fledermausarten zuzüglich Habitaten von Greifen wie Rotmilan, Wespenbussard etc. und daher ein hohes relativ Konflikt-Potential nachgewiesen hat, von denen nicht wenige auch unter besonderem Schutz stehende seltene Arten betreffen.

Die Bürgerinitiative hat die in Buchen-Hettingen erhaltenen Informationen eingehend analysiert. Sie sieht sich durch die dort erhaltenen Informationen bezüglich ihrer von Anfang an gegen Windkraft-Planungen im Großen Wald geltend gemachten Bedenken in vollem Umfang bestätigt und kündigt weiteren harten Widerstand gegen die Umsetzung der Windkraft-Pläne an. Die BI begrüßt die längst überfällige Exkursion und bedankt sich bei Bürgermeister und Gemeinderat von Hüffenhardt für die Einladung zur Teilnahme an der Exkursion, die neue wesentliche Informationen gebracht hat.

Armin Hagendorn, Hüffenhardt

(Mitglied der BI-Lenkungsgruppe und Sprecher der BI „Pro Lebensraum Großer Wald“)