Zeitungsartikel

2016 04 04RNZ0001

http://www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-Ehrenamtliche-standen-bei-der-Einwohnerversammlung-in-Hueffenhardt-im-Mittelpunkt-_arid,253180.html


RNZ, 06.02.2017, 06:00 Uhr

 

Ehrenamtliche standen bei der Einwohnerversammlung in Hüffenhardt im Mittelpunkt

Hüffenhardts Bürgermeister Walter Neff blickte im Rahmen der Einwohnerversammlung zurück und stellte neue Projekte vor

Hüffenhardt. (nak) Es war zwar schon der 34. Tag des (neuen) Jahres, trotzdem wünschte Hüffenhardts Bürgermeister Walter Neff allen Gästen der Einwohnerversammlung am Freitagabend noch ein "gesundes Jahr 2017". Für die musikalische Eröffnung sorgte die Jugendkapelle Hüffenhardt.

Vieles habe sich im abgelaufenen Kalenderjahr ereignet, Positives wie Negatives. Neff nannte große Ereignisse - wie Erfolge bei der Europameisterschaft und den Olympischen Spielen - und kommunale Veranstaltungen. Hüffenhardt habe 2016 zahlreiche Projekte verwirklichen können. So wurde der neu gestaltete Schulhof eingeweiht, das denkmalgeschützte Gebäude in der Hauptstraße 26 saniert, der Kindergarten in Kälbertshausen eingerichtet und mit den Arbeiten zur Erweiterung des Bauhofes begonnen. Seit Anfang 2017 könnten die Bürger zudem das schnellere Internet nutzen, welches durch den Breitbandausbau im vergangenen Jahr ermöglicht worden sei. Für die Feuerwehr seien neue Bekleidung sowie neue Spinde angeschafft worden. Noch nicht umgesetzt sei die Umrüstung von Teilen der Straßenlaternen auf LED-Beleuchtung. Dies solle in diesem Jahr geschehen.

Nach dem Rückblick erläuterte Neff den Gästen kurz die Pläne für das laufende Jahr 2017. Es seien keine Steuer- oder Gebührenerhöhungen geplant, vielmehr könnten die Gebühren im Abwasserbereich gesenkt werden. Des Weiteren plant die Gemeinde Ertüchtigungsarbeiten an der Grundschule sowie im Außenbereich des neuen Kindergartens. "Ein großer finanzieller Posten wird die Prüfung der Kanäle sein, die 2017 ansteht", so der Bürgermeister. Auch Erschließungsmaßnahmen von Baulücken sind geplant, da keine gemeindeeigenen Bauplätze mehr zur Verfügung stehen. Das Thema Windkraft, das die Gemeinde im vergangenen Jahr sehr bewegte, berührte Neff nur kurz. Hierzu gäbe es "kaum weitere Informationen". Der Gemeinderat gehe den im Bürgerentscheid vorgegebenen Weg weiter, doch konkrete Schritte bräuchten Zeit, so der Bürgermeister.

Für ein neues Projekt warb Neff besonders: die Einführung des Bürgerbusses. Dieses wurde auch an Stellwänden im hinteren Bereich der Halle erläutert. Viele der Anwesenden befürworteten den Bus, standen der Umsetzung mit Ehrenamtlichen jedoch skeptisch gegenüber.

Die Auszeichnung Ehrenamtlicher, die im vergangenen Jahr Herausragendes geleistet haben, standen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Für zehnmaliges Blutspenden erhielten Heiko Lübberding und Annette Ritter-Fischer eine Urkunde, für 25-maliges Spenden Ingrid Guthörle, Annette Siegmann und Erika Hartjens. Jürgen Ludreschl spendete sogar 75-mal Blut.

Und auch Hüffenhardts Sportler konnten 2016 Siege und hervorragende Platzierungen erringen. Mit ihrer Ehrung will die Gemeinde die enge Verbundenheit "mit ihren Sportlerinnen und Sportlern" bekunden, so der Bürgermeister, der auch allen Trainern und Eltern dankte. Geehrt wurden im Bogenschießen Jan Reimold, Laura Noack und Alisa Zimmermann für Siege und erste Plätze bei den Landesmeisterschaften sowie Laura Noack für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Beim Sommerbiathlon waren Anna Ruppl, Andreas Bauer, Jan Bauer, Tobias Haag, Christian Geml, Estelle Teichgräber, Lutz Dziedzitz und Bernadette Müller ebenfalls bei den Landesmeisterschaften sowie Lutz Dziedzitz bei der Deutschen Meisterschaft erfolgreich. Im Sportschießen taten sich bei den Landesmeisterschaften Marisa Gregori, Rudolf Schneider, Gerhard Bräuchle und Melanie Ebend hervor. Schneider startete zudem bei der Deutschen Meisterschaft, und Ebend holte den siebten Platz bei den Europameisterschaften in der Feldarmbrust. Die Mannschaft Jan Reimold, Dominik Brenner und Nils Prinke war in den Disziplinen Bogen Halle und Bogen Fita bei den Landesmeisterschaften erfolgreich. Melanie Ebend, Marisa Gregori und Eva-Maria Kunz holten bei den Landesmeisterschaften in der Mannschaft KK-Liegendkampf den zweiten Platz.

Eine besondere Ehrung Marlen Fernandez, die Vizeweltmeisterin (Point-Fight) bei den Weltmeisterschaften der All-Fight-System-Organisation in Frankfurt wurde.

Gleich drei Pokale errangen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr: Niko Doktorowski, Marvin Karr, Marisa Kollmus, Nils Prinke, Laura Weber und Hanes Wolf gewannen den Wettkampf in Breitenbronn; Marvin Karr, Maximilian Müller, Nils Prinke, Laura Weber und Hannes Wolf holten sich den Pokal beim Wettkampf beim Kreisjugendzeltlager in Laudenberg, und Kilian Hektor, Maximilian Müller, Nils Prinke, Laura Weber und Hannes Wolf errangen beim Wettkampf in Neckargerach den ersten Platz.

Für 40 Jahre ehrenamtlichen Feuerwehrdienst wurden zudem Oberbrandmeister Erwin Stadler, Oberlöschmeister Martin Kreisz, Hauptfeuerwehrmann Otto Vierling sowie Hauptfeuerwehrmann Karl-Heinz Eckert ausgezeichnet.


Kraichgau Stimme, KRAICHGAU, Mittwoch, 8. März

 

Haushaltsplan enthält keine Kosten für Vertragsauflösung – Bürgerinitiative thematisiert die Situation im Odenwald

Von unserem Redakteur Simon Gajer

HÜFFENHARDT Der Hüffenhardter Gemeinderat befasst sich heute Abend im Wohn- und Pflegezentrum mit dem Haushaltsplan 2017. Die wichtigste Zahl fehlt: die Kosten für den Ausstieg aus der Windenergie. Es könnte auf über eine halbe Million Euro hinauslaufen.

Nicht über Kredite Bürgermeister Walter Neff bestätigt Informationen unserer Zeitung, dass die Summe derzeit nicht im Budget enthalten ist. Er begründet es damit, dass die Gespräche mit der Firma Fortwengel Windkraftplanung GmbH noch laufen. Er rechnet damit, dass die Verhandlungen im ersten Halbjahr abgeschlossen werden. Der Ausstieg werde über einen Nachtragshaushalt finanziert. Neff geht davon aus, dass die Gemeinde dafür auf die Rücklagen zugreifen muss. Es sei rechtlich nicht möglich, dies über Kredite zu bezahlen, erklärt der Bürgermeister. In der Gemeindeordnung des Landes heißt es zur Kreditaufnahme von Kommunen: Neue Schulden dürfen nur für Investitionen, Investitionsförderungsmaßnahmen und zur Umschuldung aufgenommen werden.

Hintergrund ist, dass die Gemeinde Hüffenhardt vor zweieinhalb Jahren mit dem Windparkprojektierer Fortwengel einen Nutzungsvertrag abgeschlossen hat. Die Firma hatte vor, Windräder im Wald zwischen den Ortsteilen zu errichten. Im Spätjahr 2016 sprach sich die Mehrheit der Hüffenhardter gegen weitere Schritte aus, um einen Windpark zu ermöglichen. Die Abstimmung initiiert hatte die Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großer Wald, die den Windpark ablehnt.

Die Mehrheit im Gemeinderat hatte sich zwar dafür ausgesprochen, den Windpark zu ermöglichen. Allerdings hatte sich im Gremium bereits im Vorfeld des Bürgerentscheids eines abgezeichnet: Die Kommunalpolitiker werden ein Votum im Sinne der BI als Zeichen dafür werten, aus dem Vertrag auszusteigen. Ein solcher Rückzug ist möglich. Eine Klausel sieht aber Zahlungen der Gemeinde an Fortwengel vor – unter anderem eine halbe Million Euro an Gewinnausfällen. Außerdem muss Hüffenhardt laut Vertrag für entstandene Kosten aufkommen. Fortwengel hatte bereits Gutachten in Auftrag gegeben. Vor der Abstimmung hat die Firma die bis dahin entstandenen Ausgaben mit 300 000 Euro angegeben.

BI-Stammtisch Ein Stammtisch der BI beginnt am Donnerstag, 9. März, um 19.30 Uhr in der Pizzeria Bella Marmaris. Gastredner ist Richard Leiner von der Bürgerinitiative „Rettet den Odenwald“. Laut einer Pressemitteilung der Hüffenhardter BI werden derzeit 70 Windparks im Odenwald geplant. Die ersten Windkraftanlagen seien realisiert – unter anderem das Greiner Eck bei Hirschhorn. Der Referent will an diesem Abend auf die Situation im Odenwald eingehen.

https://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/region/region/sonstige-Erfolgreiche-Windkraft-BI-steht-als-Berater-zur-Seite;art87698,3816651


Kraichgau Stimme, KRAICHGAU, Mittwoch, 22. März, update 23. März

 

Überregional bekannte Gruppe hält sich in Kommunalpolitik zurück, um Ausstiegsverhandlungen nicht zu gefährden

Von unserem Redakteur Simon Gajer

 
2017.03.22 Stimme erfolgreiche BI 1Gehören zum Vorstand der Hüffenhardter Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großer Wald (von links): Lothar Sigmann, Bernd Siegmann, Horst Kühner, Tatjana Frey und Armin Hagendorn. Die BI ist mittlerweile ein Verein mit 125 Mitgliedern. Foto: Gajer 

Bei Kritikern von Windkraftanlagen gilt die Hüffenhardter Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großer Wald als großes Vorbild. Sie hat es 2016 mit einem Bürgerentscheid geschafft, wovon andere träumen: Sie hat einen Windpark im Ort verhindert. Die Gemeinde verhandelt deshalb mit dem Windparkprojektierer, um aus einem Vertrag auszusteigen. Darin gestattet es der Ort der Firma Fortwengel Windkraftplanung, im Gemeindewald einen Windpark zu errichten. Mit der Kündigung kommen auf Hüffenhardt Kosten von über einer halben Million Euro zu. Unter anderem muss der Ort für Gewinnausfälle bezahlen.

Trotz der erfolgreichen Abstimmung sieht sich die BI nicht am Ende. Sie spricht von einem Meilenstein, der erreicht ist. Zurzeit ist sie in der Rolle des Beraters. "Wir unterstützen, wo es geht", sagt Armin Hagendorn, Vorsitzender des Vereins, zu dem sich die BI-Mitglieder zusammengeschlossen haben. Kürzlich waren sie bei einer Veranstaltung in Heidelberg, und die Gruppe war gefragter Gesprächspartner. "Wir haben uns den Mund fusselig geredet", erzählt Hagendorn, dem ein frustrierender Moment in Erinnerung blieb. Gezeigt wurde, in welchen Orten des Odenwalds es Proteste gebe und wo trotzdem Windkraftanlagen errichtet werden. Fast überall. "Wir waren die einzigen, die es geschafft haben."

Kontakte In der Kommunalpolitik hält sich die BI zurück, um den Windkraft-Ausstieg nicht zu gefährden. Dafür helfen die Ehrenamtlichen andernorts. Unter anderem gibt es Kontakte zu Gruppen im Landkreis Heilbronn. Der Hüffenhardter Erfolg lässt sich aber nicht ohne weiteres kopieren, betont Armin Hagendorn. "Es gibt nicht die eine Blaupause." Gruppen werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten aktiv. Darin sehen die BI-Vertreter ein Problem der Regeln, nach denen Windparks genehmigt werden. Nach Ansicht der Hüffenhardter halten sich Projektierer lange mit Informationen in der Öffentlichkeit zurück. Windkraft-Gegner müssten dann sehr schnell aktiv werden, um Fristen einhalten zu können. Froh ist Bernd Siegmann über den Landesverband Bürgerinitiativen gegen Windkraftanlagen in Natur- und Kulturlandschaften: "Er nimmt uns vieles ab." Beispielsweise setze sich der Verband dafür ein, dass die Grundlage überarbeitet werde, auf der Lärmgutachten basieren.

Engagement auf lokaler Ebene kann sich lohnen. Das haben die Hüffenhardter mit dem Bürgerentscheid bewiesen. Der Haken: Die wenigsten wüssten, dass man aktiv werden könne, bedauert Bernd Siegmann. Hagendorn sieht das ähnlich: Wenn sich Windkraft-Gegner zu lange Zeit lassen, seien Planungsgrundlagen beschlossen.

Weitere Ziele Die Hüffenhardter haben überregional für Aufsehen gesorgt. Von den etablierten Parteien in der Landespolitik interessiere sich dennoch niemand für die Proteste. Das wundert die BI. "Die Politiker fragen nicht, warum es so viele BIs gibt", bedauert Lothar Sigmann.

Der Verein will, dass Windkraft "in vernünftiger Art und Weise" umgesetzt wird. Hagendorn geht es um eine "ganzheitliche Betrachtung". Windkraft ist seiner Ansicht nach nicht fähig, die Grundversorgung mit Strom zu gewährleisten. Er hofft, dass langfristig weniger Strom verbraucht wird und bei herkömmlichen Kraftwerken die Filter besser werden. Bernd Siegmann setzt auf Innovationen − etwa bessere Wege, Strom zu speichern.