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Emotionen kochen hoch

Hüffenhardt  150 Bürger bei Informationsabend zu geplantem Windpark − Nur sieben Masten sind realistisch

Von unserem Redakteur Simon Gajer

Emotionen kochen hoch

Infraschall, Wertverlust von Immobilien − rentiert sich das Vorhaben überhaupt? Mit zahlreichen Fragen und Vorwürfen zum möglichen Windpark im Wald haben besorgte Bürger am Donnerstagabend die Experten konfrontiert. Am Ende zeigte sich: Besänftigt waren die Kritiker nicht.

Auflagen Axel Krahl, der im Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises für die Genehmigung solcher Windparks mit zuständig ist, legte die Karten offen auf den Tisch: Klar sei, dass es bei einer Realisierung des Projekts Beeinträchtigungen geben wird. Die Anlagen geben Geräusche ab, sie seien mit einer Höhe von über 200 Metern zu sehen. Er könne nur die Einhaltung der Grenzwerte durchsetzen. "Wir regeln den Schutz für Sie." Am Ende des Genehmigungsverfahrens gebe es viele Wege einzugreifen. So könne vorgeschrieben werden, dass die Anlagen abgeschaltet werden müssen, wenn sie zu laut werden oder zu viel Schatten werfen. Die entsprechenden Sensoren müssten eingebaut werden. Die roten Positionslichter seien zu synchronisieren, sodass es keinen Discoeffekt gebe.

 

Das Thema Infraschall, also Schallwellen mit einer Frequenz von bis zu zehn Hertz, nehme der Landkreis ernst. Aber: "Grenzwerte gibt es nicht." Krahl versuchte, Bürger zu beruhigen. Dieser Schall gehe auch von Meeresbrandung aus, der Wind sei eine natürliche Infraschall-Quelle. Außerdem hätten Untersuchungen mit Windrädern ergeben, dass ab einer Entfernung von 700 Metern der natürliche Infraschall den technischen überlagere. Würde man bei "sehr dünn begründeten Verdachtsmomenten" alles ablehnen, bremse man den technischen Fortschritt, sagte er. Sofern der Park tatsächlich entsteht, sind die Masten jeweils über 1000 Meter von Häusern entfernt. Sollten sich bei Infraschall neue Erkenntnisse ergeben, könne das Landratsamt nachträglich Anforderungen stellen. "Das ist ein gutes Stück Beruhigung", sagte Krahl.

Mittlerweile haben sich Hüffenhardter und Kälbertshausener zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, die vom Landesverband Bürgerinitiativen gegen Windkraftanlagen in Natur- und Kulturlandschaften unterstützt wird. Ein Vertreter war anwesend. Zahlreiche Punkte wurden diskutiert, unter anderem warum es auf diesen Wald hinauslaufen soll. Der Gemeinderat hatte vor über zwei Jahren beschlossen, Windkraftanlagen nur in ausgewiesenen Flächen zuzulassen. Damals war von Fortwengel Holding, die aktuell das Projekt plant, nicht die Rede. Infrage kam nur der Forst zwischen den Teilorten. Laut Bürgermeister Walter Neff interessierten sich im Anschluss daran mehrere Firmen für die Umsetzung, der Kontakt zu Fortwengel sei über den vorherigen Bürgermeister Bruno Herberich zustande gekommen.

Für Fortwengel habe sich der Gemeinderat ausgesprochen, weil sich Bürger finanziell beteiligen können − direkt oder über eine Energie-Genossenschaft. Das betonte auch die Fortwengel-Vertreterin Ulrike Ludewig. Ferner erklärte sie, weshalb acht und nicht wie zunächst angedacht sechs Standorte ausgewiesen werden sollen. Gebaut würden aber nur sieben Masten. Im vergangenen Jahr wurde der Lebensraum von Vögeln und Fledermäusen untersucht. Die Erkenntnisse führten dazu, das ursprünglich geplante Positionen wegfallen mussten.

Insolvenz Kritisch sahen Bürger die Windgeschwindigkeiten und damit die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. Landratsamtsvertreter Krahl betonte, dass im Vorfeld der Genehmigung eine Bankbürgschaft abgegeben werden müsse, um den Rückbau im Falle einer Insolvenz zu bezahlen. Befürchtet wird, dass Häuser ihren Wert verlieren. Untersuchungen dazu gebe es nicht, sagte Ulrike Ludwig.

Kommentar "Sehr offen"

Emotionen kochen hochDen Protest im Hintergrund: Auch Gemeinderäte sind zur Bürgerinformation in die Hüffenhardter Mehrzweckhalle gekommen.Foto: Simon