Kraichgau Stimme, Kraichgau,  vom 15. Oktober 2016

 

Windräder sollen 230 Meter hoch sein

HÜFFENHARDT Bei Informationsmesse in Kälbertshausen treffen sich Windpark-Planer und Bürgerinitiative

Von unserem Redakteur Simon Gajer

2016.10.15 Windraeder sollen 230 Meter hoch sein

Vertreter von Bürgerinitiative und Windpark-Planer im Gespräch (von links): Ulrike Ludewig, Bernd Siegmann, Bernd Fortwengel und Armin Hagendorn.

Das vom Land bezahlte Forum Energiedialog hat vor dem Bürgerentscheid eine Informationsmesse zum geplanten Windpark bei Hüffenhardt organisiert. Am Freitagnachmittag kamen Wahlberechtigte nach Kälbertshausen, obwohl sie schon wussten, wie sie abstimmen wollen. Als Gesprächspartner standen sowohl die Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großer Wald (BI) als auch der Windpark-Planer Fortwengel zur Verfügung. Naturschützer, eine Medizinerin und Vertreter von Regierungspräsidium und Landratsamt waren ebenfalls anwesend.

Realisierung Das Projekt ist in der Gemeinde höchst umstritten, Hunderte lehnen es ab, dass sieben Windräder im gemeindeeigenen Wald zwischen den Teilorten errichtet werden sollen. Bernd Fortwengel, Chef des gleichnamigen Unternehmens aus dem niedersächsischen Sögel, haben die Proteste überrascht. Diese Ausmaße habe er nicht erwartet. In Norddeutschland habe man sich mit Windkraft arrangiert. „Das hier ist sehr intensiv.“ An der Realisierung des Windparks will er festhalten. Die Windverhältnisse seien für die Region stark. Und auch die Gemeinde profitiere davon: Bürger könnten sich beteiligen, die Betreiber-Gesellschaft bekäme ihren Sitz in Hüffenhardt, zählte er auf.

Viele Hüffenhardter halten vom Vorhaben überhaupt nichts und wollen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Eine Frau sagte, dass die Gemeinde wegen der vielen Strommasten zum Umspannwerk schon viel für die Allgemeinheit tue. Auch Windräder seien für die Allgemeinheit. „Warum muss Hüffenhardt für alles herhalten?“ Sie erhoffte sich von der Veranstaltung, Infos über die Auswirkung auf die Gesundheit zu erhalten.

Kritik an Veranstaltung Gekommen war auch die Firma Enercon, die die Windräder liefern soll. Die Nabenhöhe, mit der aktuell geplant wird, liegt bei 159 Meter. Die Rotoren haben einen Durchmesser von 141 Meter. Damit würden die Windräder „deutlich höher“ als die zuletzt kommunizierten 212 Meter, betonte der BI-Vorsitzende Armin Hagendorn. Er sah sich in den Befürchtungen bestätigt, dass das Forum Energiedialog nicht neutral sei. Planungsbüros, Betreiber, Behörden: Es seien Institutionen vertreten. Er aber hätte gern einen speziellen Akustik-Experten zu Infraschall gesehen, doch die BI hätte dies auf eigene Kosten engagieren müssen. Weiterer Kritikpunkt: Für Beamte sei es Arbeitszeit, die BI-Mitglieder hätten Überstunden abbauen oder Urlaub nehmen müssen.

Teilweise ging es hitzig zu. Vorwurfsvoll klang ein Gespräch zwischen einem BI-Vertreter und einem Gemeinderat: „In dieser Situation macht ihr so etwas.“ Auch das Regierungspräsidium Karlsruhe, das bei Fragen zum Regionalplan zur Verfügung stand, musste sich kritische Fragen anhören: Aktuell sind im Plan keine Windkraftflächen für Hüffenhardt ausgewiesen. „Vielleicht macht es Sinn, dass man es ausgespart hat?“, so ein Hüffenhardter. Ein Besucher betonte: „Wir haben den Wald für die nächsten Generationen zu erhalten.“