Emotionaler Appell für Miteinander im Ort

Gemeinderat verlängert Zahlungsfrist für Fortwengel Windkraftplanung − Gegner bezweifeln Wirtschaftlichkeit des Projekts

Von unserem Redakteur Simon Gajer

Kündigung Mit ein Auslöser der längeren Diskussion war eine Bekanntgabe von Bürgermeister Walter Neff, in der es um den Vertrag mit Fortwengel Windkraftplanung GmbH ging: Der Gemeinderat hatte in der Sitzung zuvor unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossen, die Vereinbarung zu ändern. Weil mit dem Bau der Windräder nicht begonnen und deshalb keine Pacht bezahlt wurde, kann der Gemeinderat den Vertrag kündigen. Die Firma, die im gemeindeeigenen Wald das Projekt umsetzen will, kann diese Kündigung jedoch abwenden, in dem sie einen Teil der Mindestpacht bezahlt. Der Gemeinderat gestattet nun, dass das Geld erst bis Ende des Jahres überwiesen werden muss. Anwesende kritisierten dieses Zugeständnis an Fortwengel. Nähere Gründe, warum sich das Gremium dafür ausgesprochen hatte, gab Bürgermeister Neff nicht. Die Gemeinde verzichte nicht auf Geld, sagte er. Solche Themen seien stets nichtöffentlich zu behandeln, deshalb sieht er darin keine Geheimniskrämerei.

Neuer Hersteller Mittlerweile will Fortwengel den Windpark mit Windrädern des Herstellers Enercon errichten, der diese Woche selbst ein Flugblatt verteilte. Kritik gab es, weil darin in einer Grafik gezeigt wird, dass sich die Gemeinde an der Betreiber-Gesellschaft beteiligt. Darüber habe der Gemeinderat aber noch nicht entschieden, stellte Walter Neff klar. Der Wechsel zu Enercon wurde von Bürgern ebenso hinterfragt wie die Wirtschaftlichkeit des Projekts. Der Gemeinderat hätte Zahlen einfordern sollen, sagte ein Windpark-Gegner.

Laut Bürgermeister Neff geht Fortwengel davon aus, dass es sich rentiere. Und: "Die Gemeinde ist nur Verpächter des Grundstücks, alles Weitere ist Sache des Betreibers." Während Gemeinderäte Walter Neff in einem Punkt widersprachen und betonten, dass ihnen der Herstellerwechsel noch nicht lange bekannt sei, bekam er von ihnen auch Unterstützung. Der Hersteller spiele keine Rolle, sagte Oliver Hohenhausen.

Ob sich die Immobilienpreise mit einem Windpark verändern, kann Walter Neff nach eigenen Angaben nicht beurteilen. Ihm sei nicht bekannt, dass Grundstückskäufe in der Gemeinde wegen des möglichen Windparks nicht zustande gekommen seien. Gerüchte besagen, dass ein Unternehmer beim Bau der Windräder dem Ort den Rücken kehren wolle. Davon wussten Neff und Maahs nichts, wie sie betonten.

Am Sonntag entscheiden Bürger, ob sie es ablehnen, dass die Gemeinde weitere Schritte in Richtung Windenergie unternehmen soll. Die Windpark-Gegner hoffen auf viele Ja-Stimmen, die sie als Zeichen an den Gemeinderat werten. Das Gremium soll ihrer Ansicht nach in einem solchen Fall den Vertrag mit Fortwengel kündigen. Die Kommune müsste dann aber eine halbe Million Euro für Gewinnausfälle sowie die bislang entstandenen Kosten bezahlen. Laut Fortwengel belaufen sich diese auf 300 000 Euro. Auf Nachfrage sagte Neff in der Sitzung: Fortwengel habe schriftlich zugesichert, dass die Firma weitere Kosten zurückfahre, seit bekannt ist, dass ein Bürgerentscheid kommt.