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Windkraftplaner hält sich nach Bürgerentscheid bedeckt

Hüffenhardt  Firma Fortwengel könnte das Projekt trotz klarer Ablehnung vorantreiben − Dieser Weg gilt im Rathaus als unwahrscheinlich

Von unserem Redakteur Alexander Hettich

Nach dem Bürgerentscheid ist vor den Verhandlungen: Die Hüffenhardter haben sich am Sonntag deutlich gegen einen Windpark ausgesprochen, jetzt stehen Gespräche mit dem Investor an. Im Rathaus hält man es für unwahrscheinlich, dass die Firma Fortwengel das Projekt gegen den erklärten Bürgerwillen durchzieht, obwohl dieser Weg denkbar wäre.

Knappes Statement "Wir nehmen das zur Kenntnis", sagte Fortwengel-Mitarbeiterin Ulrike Ludewig am Mittwoch in einer ersten Reaktion. Jetzt werde man das Gespräch mit der Gemeinde suchen. Ansonsten: kein Kommentar. Insbesondere nicht dazu, ob das Unternehmen nun über ein Verfahren beim Regierungspräsidium Karlsruhe den Weg zum Windpark suchen will.

Auf diese Weise könnte das Projekt mit sieben großen Windrädern im Wald zwischen Hüffenhardt und Kälbertshausen doch noch Realität werden. Hüffenhardts Bürgermeister Walter Neff, ein Befürworter der Windkraftpläne, hält es für unwahrscheinlich, dass die Fortwengel Windkraftplanung GmbH jetzt zum Alleingang startet. "Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen", so der Rathauschef, der sich ansonsten zurückhaltend äußert. Man werde das Ergebnis mit dem Gemeinderat diskutieren, am Ende werde "eventuell" die Kündigung des Pachtvertrags mit Fortwengel stehen.

Das würde für die Gemeinde teuer. Wird der Kontrakt gekündigt, hat Fortwengel Anspruch auf eine halbe Million Euro für Gewinnausfälle. Hinzu kommt der Ersatz für entstandene Kosten, laut Fortwengel sind bislang 300 000 Euro aufgelaufen. Bürgermeister Neff zeigte sich nach den emotionalen Auseinandersetzungen der vergangenen Monate nicht überrascht vom Ergebnis, wohl aber von der Klarheit.

Aufregung Dass es an der Mehrheitsmeinung keine Zweifel gibt, kann seiner Ansicht auch dazu führen, dass sich die Gemüter in der zuletzt gespaltenen Gemeinde wieder beruhigen. "Jetzt weiß jeder, wie der weitere Weg zu gehen ist."

Als "eindeutig" wertet Peter Hauk, Minister für den ländlichen Raum und CDU-Wahlkreisabgeordneter, das Abstimmungsergebnis: "Meine Unterstützung hat Hüffenhardt mit dieser Entscheidung." Im Mittelpunkt jeder Politik müsse der Mensch stehen.

In Hüffenhardt und im Teilort Kälbertshausen hatten sich 78 Prozent der Wähler dagegen ausgesprochen, weitere Schritte in Richtung Windpark zu unternehmen. Das Ergebnis ist ein Erfolg für die Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großer Wald (BI). Sie lehnt das Projekt mit sieben Windrädern, die je 230 Meter messen sollen, vehement ab. Die Kritiker fürchten Beeinträchtigungen der Umwelt, Gesundheitsgefahren durch Infraschall und sinkende Immobilienpreise.