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Rhein-Neckar-Zeitung,  01.12.2016

 

Gibt es am Ende nur vier Windkraft-Standorte in der Region?

Der Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim legte mögliche Windkraft-Standorte fest

01.12.2016, 06:00 Uhr

Noch ist nichts Endgültiges entschieden - aber die möglichen Flächen, auf denen sich in der Region am Ende Windräder drehen könnten, werden immer weniger. Foto: Kreutzer

Von Alexander Albrecht und Harald Berlinghof

Rhein-Neckar. Die Pläne waren ambitioniert - viel übrig geblieben ist davon nicht. Und das Feld der Windkraftstandorte in der Region könnte weiter schrumpfen. Die Versammlung des für 18 Städte und Gemeinden zuständigen Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim hat sich jetzt auf sieben mögliche Konzentrationszonen auf insgesamt etwas mehr als 300 Hektar geeinigt, wobei eine lediglich als Reservefläche gilt und zwei im Käfertaler Wald noch wegfallen könnten.

Nach der Bürgerbeteiligung und Einwänden der Behörden war im Juni noch von elf potenziellen Standorten die Rede gewesen. Wie die Versammlung nun beschloss, werden sich an vieren davon aber definitiv keine Windräder drehen. Damit kam das Gremium den Wünschen von drei Bergstraßenkommunen und der Stadt Heidelberg nach. Dossenheim, Hirschberg und Schriesheim hatten sich deutlich gegen Gelände auf der ersten Hangkante des Odenwalds ausgesprochen. Heidelberg lehnte Windkraftanlagen im Bereich des Neckartals ab. Zudem hat sich die Fläche "Weißer Stein" auf Dossenheimer und Schriesheimer Gemarkung verkleinert. Dem zweigeteilten Hirschgrund-Gelände kommt lediglich eine Ersatzrolle zu, und das auch nur vielleicht.

Während sich Hirschberg, Dossenheim und Schriesheim Verfeinerungen wünschen und eine weitere Stellungnahme abgeben wollen, hat sich Mannheim bislang noch nicht geäußert. Die beiden Standorte im Käfertaler Wald sind politisch heiß umstritten. Mannheim sei die einzige Kommune im Nachbarschaftsverband, die sich nicht klar für den Schutz ihres Erholungswaldes ausgesprochen hat, kritisierten die Freien Wähler. Lehnt der Gemeinderat den Bau von Anlagen im Wald ab, kämen nur noch vier Konzentrationszonen im Verbandsgebiet in Betracht.

Aus einstmals 26 Quadratkilometern Windkraft-Fläche waren 2014 neun geworden. Ursache dafür war unter anderem die Erhöhung des Mindestabstands zu Wohngebieten auf 1000 Meter. Damals waren 17 Konzentrationszonen geplant. Neben den Behörden und der Kommunalpolitik hatten sich auch Bürger und Initiativen an den Befragungen beteiligt. "Da war viel Leidenschaft und Sachkenntnis in den Stellungnahmen zu spüren", sagte Martin Müller, der Geschäftsführer des Nachbarschaftsverbandes. Die Kritiker führten Bedenken wegen Infraschall, Lärm, Wertverlust von Immobilien oder Unwirtschaftlichkeit an. "Aber das betrifft uns als Verband nur teilweise. Ob sich eine Anlage wirtschaftlich rechnet, hängt vom Betreiber ab", so Müller. Bislang gebe es nur ein vages Interesse von Investoren an den ausgewiesenen Konzentrationszonen. "Sie warten ab, wie es politisch weitergeht", sagte Müller. Auch die Frage nach einer womöglich zu hohen Subventionierung oder die Höhe der Umlage durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz habe der Verband nicht zu kommentieren.

Wie geht es weiter? Der Nachbarschaftsverband wird nach einer weiteren vertiefenden Prüfung entscheiden, welche Flächen in den Planentwurf mit einbezogen werden. Auf Basis dessen wird in einer zweiten Runde abermals die Öffentlichkeit beteiligt. Danach wird der Plan von der Versammlung des Verbands Region Rhein-Neckar (VRRN) verabschiedet. Laut Müller könnte frühestens 2019 mit dem Bau der ersten Windräder begonnen werden. Der Starttermin ist auch abhängig davon, wann es dem VRRN gelingt, das Kapitel Windkraft im Einheitlichen Regionalplan zu verankern. Das ist bislang wegen der unterschiedlichen Vorgaben der Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen nicht möglich.