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RNZ, 23.12.2016, 06:01 Uhr

 

Bürgerinitiativen aus dem Odenwald machen mobil gegen Windparks

Windkraftgegner betonen, sie seien für die Energiewende, aber: "Die Windenergie hält nicht, was man sich von ihr verspricht"

 

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"Wo man sich nicht wehrt, macht man es den Investoren leicht": Der ehemalige Bergsträßer Landrat Mathias Wilkes. Foto: Rothe

Von Stefan Meyer

Heidelberg/Rhein-Neckar. Hände weg vom Odenwald! Das war die zentrale Botschaft, die jetzt von der Heidelberger Halle02 ausging. Bürgerinitiativen aus der gesamten Region hatten sich hier versammelt, um an Infoständen über ihren Kampf gegen Windparks zu berichten und sich untereinander auszutauschen. Bei der anschließenden Vortragsrunde vor rund 200 Zuhörern setzten der Heidelberger Geograf Richard Leiner sowie der ehemalige Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes zu einem verbalen Rundumschlag an.

Eines machten beide Aktivisten dabei schon zu Beginn ihrer Vorträge deutlich: Auch wenn der Windkraftausbau gemeinhin mit Energiewende, Klimaschutz, Atomausstieg und Naturschutz gleichgesetzt werde, sehen sie sich nicht als Gegner, sondern als Befürworter dieser vier Ziele. Die Energiewende sei jedoch zum Scheitern verurteilt, wenn sie ohne Verstand durchgeführt werde. "Und wir sind genau auf diesem Weg", betonte Wilkes.

Denn die Windenergie halte nicht, was man sich von ihr verspreche. Bloße Modelle und Annahmen würden als Realität verkauft und Effizienzprobleme ignoriert. So fehle es immer noch an einer Speichertechnologie, mit der sich die Schwankungen zwischen Überproduktion und Totalausfall abfedern lassen. Gegenwärtig ersetze der Ökostrom auch keineswegs die CO2-intensiven Kohlekraftwerke, sondern verdränge lediglich die sparsameren Gaskraftwerke vom Markt. Dies schlage sich letztlich auch in Deutschlands ernüchternder Emissionsbilanz der letzten Jahre wider. Und auch mit der Wirtschaftlichkeit sei das so eine Sache. "66 Prozent der Windparks erwirtschaften nicht, was im Prospekt stand", betonte Leiner. Nur die Projektierer würden in jedem Falle verdienen, entsprechenden Garantien im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sei Dank.

Doch Windparks würden nicht nur weitaus weniger leisten, als man gemeinhin annehme. Auch die Schäden würden unterschätzt oder kleingeredet, wie Richard Leiner erklärte. Der planlose Bau von Windparks bedrohe den Arten-, Landschafts- und Denkmalschutz, schade dem Tourismus und sei nicht zuletzt auch eine ästhetische Katastrophe, wie die Beispiele Greiner Eck oder Hunsrück bewiesen. "Der Beitrag der Energiewende zum Klimaschutz steht einfach in keinerlei Verhältnis mehr zu den verursachten Schäden", betonte der Sprecher der Bürgerinitiative "Rettet den Odenwald". Was also tun? Richard Leiner forderte die völlige Abschaffung des EEG und hoffte, auf diese Weise auch den Zertifikatehandel zu fixen.

Matthias Wilkes betonte, dass der Odenwald in Form von Holzpellets bereits einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leiste. Weitere Windparks im Odenwald - der als Unesco-Geopark ohnehin unter besonderem Schutz stehen sollte - hielten beide jedenfalls für den völlig falschen Weg. "Finger weg von Natur und Landschaft. Das darf auch einer regenerativen Energiegewinnung nicht geopfert werden", betonte Leiner.

Was die Chancen ihres Kampfes anging, schwankten die Einschätzungen allerdings zwischen Ernüchterung und Euphorie. Matthias Wilkes, der früher selbst der Regionalversammlung angehörte, zeichnete ein düsteres Bild von diesem Gremium, das bei der Ausweisung von Vorrangflächen rücksichtslos über den Willen von Bürgern und Gemeinderäten hinweg regiere. Der Bürgermeister von Wald-Michelbach hätte sogar erst aus der Zeitung erfahren, was auf seine Ortschaft zukommt. "Irgendwo stimmt da die Welt nicht mehr. Es ist verrückt", klagte Wilkes.

Dennoch versuchte er, den anwesenden Aktivisten Mut zu machen. "Ich kann Ihnen nur ausdrücklich sagen: Ich habe viele Beispiele erlebt, wo couragiertes Auftreten der Bürgerinnen und Bürger derartige Pläne verhindert hat", betonte der Ex-Landrat: "Nur da, wo sich niemand wehrt, macht man es den Investoren leicht".