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Kraichgau Stimme, KRAICHGAU, Mittwoch, 22. März, update 23. März

 

Überregional bekannte Gruppe hält sich in Kommunalpolitik zurück, um Ausstiegsverhandlungen nicht zu gefährden

Von unserem Redakteur Simon Gajer

 
2017.03.22 Stimme erfolgreiche BI 1Gehören zum Vorstand der Hüffenhardter Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großer Wald (von links): Lothar Sigmann, Bernd Siegmann, Horst Kühner, Tatjana Frey und Armin Hagendorn. Die BI ist mittlerweile ein Verein mit 125 Mitgliedern. Foto: Gajer 

Bei Kritikern von Windkraftanlagen gilt die Hüffenhardter Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großer Wald als großes Vorbild. Sie hat es 2016 mit einem Bürgerentscheid geschafft, wovon andere träumen: Sie hat einen Windpark im Ort verhindert. Die Gemeinde verhandelt deshalb mit dem Windparkprojektierer, um aus einem Vertrag auszusteigen. Darin gestattet es der Ort der Firma Fortwengel Windkraftplanung, im Gemeindewald einen Windpark zu errichten. Mit der Kündigung kommen auf Hüffenhardt Kosten von über einer halben Million Euro zu. Unter anderem muss der Ort für Gewinnausfälle bezahlen.

Trotz der erfolgreichen Abstimmung sieht sich die BI nicht am Ende. Sie spricht von einem Meilenstein, der erreicht ist. Zurzeit ist sie in der Rolle des Beraters. "Wir unterstützen, wo es geht", sagt Armin Hagendorn, Vorsitzender des Vereins, zu dem sich die BI-Mitglieder zusammengeschlossen haben. Kürzlich waren sie bei einer Veranstaltung in Heidelberg, und die Gruppe war gefragter Gesprächspartner. "Wir haben uns den Mund fusselig geredet", erzählt Hagendorn, dem ein frustrierender Moment in Erinnerung blieb. Gezeigt wurde, in welchen Orten des Odenwalds es Proteste gebe und wo trotzdem Windkraftanlagen errichtet werden. Fast überall. "Wir waren die einzigen, die es geschafft haben."

Kontakte In der Kommunalpolitik hält sich die BI zurück, um den Windkraft-Ausstieg nicht zu gefährden. Dafür helfen die Ehrenamtlichen andernorts. Unter anderem gibt es Kontakte zu Gruppen im Landkreis Heilbronn. Der Hüffenhardter Erfolg lässt sich aber nicht ohne weiteres kopieren, betont Armin Hagendorn. "Es gibt nicht die eine Blaupause." Gruppen werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten aktiv. Darin sehen die BI-Vertreter ein Problem der Regeln, nach denen Windparks genehmigt werden. Nach Ansicht der Hüffenhardter halten sich Projektierer lange mit Informationen in der Öffentlichkeit zurück. Windkraft-Gegner müssten dann sehr schnell aktiv werden, um Fristen einhalten zu können. Froh ist Bernd Siegmann über den Landesverband Bürgerinitiativen gegen Windkraftanlagen in Natur- und Kulturlandschaften: "Er nimmt uns vieles ab." Beispielsweise setze sich der Verband dafür ein, dass die Grundlage überarbeitet werde, auf der Lärmgutachten basieren.

Engagement auf lokaler Ebene kann sich lohnen. Das haben die Hüffenhardter mit dem Bürgerentscheid bewiesen. Der Haken: Die wenigsten wüssten, dass man aktiv werden könne, bedauert Bernd Siegmann. Hagendorn sieht das ähnlich: Wenn sich Windkraft-Gegner zu lange Zeit lassen, seien Planungsgrundlagen beschlossen.

Weitere Ziele Die Hüffenhardter haben überregional für Aufsehen gesorgt. Von den etablierten Parteien in der Landespolitik interessiere sich dennoch niemand für die Proteste. Das wundert die BI. "Die Politiker fragen nicht, warum es so viele BIs gibt", bedauert Lothar Sigmann.

Der Verein will, dass Windkraft "in vernünftiger Art und Weise" umgesetzt wird. Hagendorn geht es um eine "ganzheitliche Betrachtung". Windkraft ist seiner Ansicht nach nicht fähig, die Grundversorgung mit Strom zu gewährleisten. Er hofft, dass langfristig weniger Strom verbraucht wird und bei herkömmlichen Kraftwerken die Filter besser werden. Bernd Siegmann setzt auf Innovationen − etwa bessere Wege, Strom zu speichern.