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29. September 2017, 10:40 Uhr Update: 29. September 2017, 10:42 Uhr

 

HÜFFENHARDT  Der Hüffenhardter Gemeinderat hat bei einer Enthaltung beschlossen, dass der Windkraft-Vertrag aufgehoben wird. Windpark-Gegner jubeln danach in der örtlichen Pizzeria.

Von  Simon Gajer

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Freude bei Windkraft-Kritikern: Sie stoßen in der örtlichen Pizzeria an.

Ein Windpark im Wald zwischen Hüffenhardt und Kälbertshausen ist Geschichte. Schon nächste Woche will Bürgermeister Walter Neff eine Vereinbarung mit Fortwengel Windkraftplanung GmbH unterzeichnen, um einen beschlossenen Vertrag zwischen beiden Seiten aufzuheben.

Den Weg hat der Gemeinderat freigemacht. Thomas Müller enthielt sich. Damit folgte das Gremium dem Willen der Hüffenhardter: Sie hatten sich Ende Oktober 2016 in einem Bürgerentscheid dagegen ausgesprochen, weitere Schritte in Richtung Windkraft zu setzen.

 

Gut besucht

2017 09 29 Stimme Windkraft Ausstieg Burg erinitiative stt mit Sekt an Bild 2Abstimmung in der Mehrzweckhalle: Der Hüffenhardter Gemeinderat stimmte am Donnerstagabend einer Vereinbarung zum, um einen Windpark-Vertrag aufzuheben.
Fotos: Simon Gajer

 

Die Sitzung in der Mehrzweckhalle war gut besucht. Etwa 60 Interessierte verfolgten die Entscheidung, darunter viele Windpark-Kritiker. Verhalten war der Applaus. Deutlich größer war die Freude im Anschluss daran in der örtlichen Pizzeria.

Die Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großer Wald, die den Bürgerentscheid initiiert hatte, lud zum Stammtisch ein. Sekt wurde ausgeschenkt, groß war der Applaus, als BI-Vorsitzender Armin Hagendorn das Ergebnis verkündete und zum Anstoßen aufforderte: "Auf den Erfolg, den wir gemeinsam erzielt haben."

Vorstandsmitglied Bernd Siegmann sagte: "Heute ist ein schöner Tag." Den Abend nutzten Mitglieder, um Verantwortlichen zu loben. "Danke für die tolle Arbeit, die ihr geleistet habt", sagte eine Frau.

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Die Bürgerinitiative ist mit dem Ergebnis zufrieden, hatte sogar mit etwas höheren Kosten seitens der Gemeinde gerechnet. Unterm Strich überweist die Gemeinde an Fortwengel 215.200 Euro. Damit ist der Vertrag beendet, der der Firma erlaubte, einen Windpark im Wald zu realisieren. Ein Teil der Summe kam von Fortwengel, um eine bereits ausgesprochene Kündigung abzuwenden (55.200 Euro). Für den Rest bekommt Hüffenhardt Gutachten und Geodaten, die der Windkraft-Projektierer erstellt hatte.

Damit liegen die Kosten deutlich unter einer Million Euro, die Windpark-Befürworter, darunter Bürgermeister Walter Neff, vor dem Bürgerentscheid erwartet hatte. Nicht einmal 500.000 Euro werden erreicht: Diesen Betrag hätte die Gemeinde laut Vertrag bei einer ordentlichen Kündigung zahlen müssen, hinzu wären noch Kosten für Gutachten gekommen. In der jüngsten Sitzung am Donnerstagabend sprach Hauptamtsleiterin Daniela Maahs nur von einer "einvernehmlichen Lösung".

Ungewissheit

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Die BI hat eigene Vermutungen, warum sich Fortwengel auf diese Vereinbarung einlässt: So bekommt sie wenigstens einen Teil der Ausgaben zurück. Man habe der Firma deutlich gemacht, dass sie hier ihr Projekt nicht realisieren könne, sagte Hagendorn. Ohne Baustart wäre der Vertrag in etwas über eineinhalb Jahren ohnehin ausgelaufen.

Bis dahin hätte Fortwengel weitere Ausgaben in mindestens fünfstelligem Betrag gehabt - ohne zu wissen, ob es den Windpark überhaupt geben wird. Außerdem hat der Gesetzgeber Ausschreibung für Windenergie an Land eingeführt. Auch das ist aus Sicht der BI für Fortwengel ein Unsicherheitsfaktor gewesen.

Details Teil der getroffenen Vereinbarung ist, dass Fortwengel den Vorrang erhält, sollten bis Ende 2027 auf gemeindeeigenen Flächen erneut Windenergieanlagen projektiert werden, hatte in der Sitzung Daniela Maahs gesagt. Außerdem betonte sie, dass es mit einem neuen Regionalplan leichter werden könnte, Windräder auf privaten Flächen zu errichten - sofern sie alle Bestimmungen einhalten. BI-Vorsitzender Hagendorn hält dies für unwahrscheinlich: Andere Standorte in Hüffenhardt seien noch unrentabler.