Gegen die geplanten Windkraftanlagen im Großen Wald bei Hüffenhardt formiert sich zunehmend Widerstand - 200 Gäste bei Infoabend

15.03.2016, 06:00 Uhr

Hüffenhardt. (nak) Knapp 200 Interessierte aus der Gemeinde ebenso wie aus dem benachbarten Hochhausen hatten sich am Freitagabend im Dorfgemeinschaftshaus Kälbertshausen eingefunden, um den Argumenten der Bürgerinitiative Hüffenhardt, Kälbertshausen und Umgebung - "Pro Lebensraum Großer Wald" (BI) - zu lauschen. "Das sind deutlich mehr als wir erwartet hatten", freute sich der erste Vorsitzende Armin Hagendorn.

 

"Wir wollen in kurzen Vorträgen zu Natur- und Artenschutz, Gesundheitsrisiken, Wirtschaftlichkeit, Immobilienwerte-Verlust und dem Bürgerbeteiligungsmodell unsere Sicht zur Windkraft in Hüffenhardt kundtun", erläuterte Bernd Siegmann, Facharzt für Allgemeinmedizin und zweiter Vorsitzender der BI. Er und seine Mitstreiter betonten, dass sie keinesfalls gegen Windkraft im Allgemeinen seien, nur gegen den zurzeit geplanten Standort.

So sieht der vorläufige Standpunktplan für die geplanten Windkraftanlagen im Großen Wald in Hüffenhardt aus - die Bürgerinitiative

Diplomverwaltungswirt Armin Hagendorn erläuterte, dass im Großen Wald sieben Windräder realisiert werden sollen. Diese sollen eine Nabenhöhe von 149 Metern, einen Durchmesser von 126 und eine Gesamthöhe von 212 Metern haben. "Wir stellen uns in den Großen Wald sieben Stuttgarter Fernsehtürme, allerdings ohne Aussichtsplattform und ohne Bewirtung", meinte er sarkastisch. Grund hierfür seien Pachteinnahmen für die Gemeinde. Diese beliefen sich aber auf gerade einmal 70 Euro pro Jahr und Einwohner. Dafür nehme man laut Hagendorn die Zerstörung des Naherholungsgebiets, der Artenvielfalt der Greifvögel und Fledermäuse sowie eine starke Belastung der Bürger in Kauf.

Über mögliche Auswirkungen auf den Menschen, ausgelöst durch Lichteffekte, Schlagschatten, Lärm und Infraschall referierte Allgemeinmediziner Bernd Siegmann. Er sprach von psychischen Störungen, Angstzuständen, Hörschäden, Schlaf- und Herz-Kreislauf-Störungen. "Schall aus verschiedenen Anlagen summiert sich", so Siegmann. Treffe dieser auf Hochspannungsleitungen, wie sie rund um Hüffenhardt zahlreich zu finden sind, entstehe eine "teuflische Mischung".

Dass die geplante Anlage in den Augen der BI zudem nicht wirtschaftlich zu betreiben ist, erläuterte der Diplomingenieur für Umwelt und Verfahrenstechnik Thorsten Ruf. Die in Hüffenhardt gemessene Windleistung sei im außerordentlich guten Windjahr (2015) zustande gekommen. Laut Studien des Frauenhofer Instituts sei die Windleistung im Durchschnitt wesentlich geringer. Er forderte deshalb eine zweite Windmessung von einem unabhängigen Institut. Immerhin gehe es um eine Investitionssumme von 35 Mio. Euro. Den möglichen Werteverlust der bestehenden Immobilien und Grundstücke verdeutlichte Horst Kühner aus Kälbertshausen. Einbußen von 20 bis 30 Prozent seien an der Tagesordnung. "Wer zieht oder baut in eine(r) Gemeinde, in der sieben Windkraftanlagen gebaut werden? Niemand!" Aus diesem Grund forderte Kühner: "Stoppt den Windwahnsinn - und zwar jetzt!"

Bevor die BI zur Diskussion und Fragerunde einlud, erläuterte noch Bankkaufmann Lothar Sigmann mögliche Bürgerbeteiligungsmodelle. "Wie es genau laufen soll, wissen wir nicht", gab er zu. Mit einem Bürgerbeteiligungsmodell könne aber nicht die nötige Eigenkapitalsumme von zehn bis zwölf Millionen Euro aufgebracht werden. Es müssten Kredite aufgenommen werden. Das größte Risiko liege dann bei den Kommanditisten, also den Geldgebern aus der Region.

Als prominenten Unterstützer konnte die BI noch Baron Bernolph von Gemmingen vorweisen. In einem Schreiben sprach er sich mit Blick auf die Greifenwarte Burg Guttenberg und die Kulturlandschaft gegen die geplanten Anlagen aus.

In der sehr lebhaften und trotz des heißen Themas sachlichen Diskussion wurde immer wieder die mangelhafte Informationspolitik gerügt. Hier mussten die anwesenden Gemeinderäte und Bürgermeister Walter Neff einiges an Kritik einstecken. Gemeinderat Hans-Martin Luckhaupt stellte sich gar auf die Seite der verärgerten Bürger und teilte mit, dass schon im Januar 2014 in nicht-öffentlicher Sitzung eine Bürgerbeteiligung mehrheitlich abgelehnt wurde. Erst im Oktober, nach dem Abschluss des Pachtvertrags mit der Fortwengel Holding, sei die Öffentlichkeit informiert worden. Dass die Entscheidung zur Ausweisung einer Vorrangfläche, die aufgrund der Verwaltungsgemeinschaft auch für Haßmersheim gilt, nicht grundsätzlich falsch war, war den meisten Anwesenden klar. Warum man nun aber "so vorpresche" sei unverständlich, da mit Blick auf einen neuen Regionalplan 2017 und damit neue Windkraftflächen keine Eile geboten sei.

Andere Wege mit Windkraft umzugehen, versuchte der von der BI eingeladene Walter Müller (Landesverband Baden-Württemberg Bürgerinitiativen gegen Windkraftanlagen in Natur- und Kulturlandschaften) zu verdeutlichen. Der abschließende Appell Bernd Siegmanns an den Hüffenhardter Gemeinderat lautete, die Entscheidung pro Windkraft - in dieser Form - zu überdenken.