Artikel vom 02. April 2016, 16:45 Uhr

Hüffenhardt  Sieben Windräder will die Firma Fortwengel Holding in Hüffenhardt bauen. Um den "massiven Eingriff in die Natur", wie der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Pro Lebensraum Großer Wald" (BI), Armin Hagendorn, es nennt, zu verdeutlichen, hat ...

Von unserer Redakteurin Tanja Ochs

Marco Nikolay, Ralf Prior und Armin Hagendorn (von links) zeigten Standorte.

Bilder: Ochs

Sieben Windräder will die Firma Fortwengel Holding in Hüffenhardt bauen. Um den "massiven Eingriff in die Natur", wie der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Pro Lebensraum Großer Wald" (BI), Armin Hagendorn, es nennt, zu verdeutlichen, hat die Initiative eine Wanderung durch den Wald organisiert. Sieben Kilometer ging es von Hüffenhardt nach Kälbertshausen, an mehreren Stationen präsentierten die Vertreter der BI Informationen zum geplanten Windpark.

Es wäre "eine Autobahn durch den Wald", sagt BI-Mitglied Bernd Siegmann. 6,50 Meter breit müsste die Zufahrt zu den Windkraftanlagen sein. Mit Fotografien und Zahlen verdeutlichten die Gegner das Projekt und seine Folgen. "Man kann die Windräder nicht im Wald verstecken", betonte Ralf Prior. Der Hüffenhardter Jäger führte die rund 80 Wanderer an. 212 Meter hoch sollen die Rotorblätter der Windenergieanlagen in den Himmel ragen. "Ein Wahnsinn", findet Nicole Priesberg aus dem Haßmersheimer Ortsteil Hochhausen. Das Neckartal sei ein touristischer Anziehungspunkt, "es ist nicht in Ordnung, das zu verbauen". Sie hat ihren Namen deshalb auf die Unterschriftenliste der Hüffenhardter BI gesetzt, mehr als 600 Bürger haben dort bereits gegen Windpark protestiert.

Der Hüffenhardter Gemeinderat hat mit der Fortwengel Holding bereits einen Pachtvertrag für das Areal geschlossen. Sollte der Bau doch noch verhindert werden, kämen auf die Gemeinde hohe Regresszahlungen zu, wie Bürgermeister Walter Neff im Stimme-Interview betont hatte. Doch die Schadensersatzzahlung könne kein Argument dafür sein, ein unwirtschaftliches Projekt durchzusetzen, meint Hagendorn. "Das Geschäft wird schön geredet."

Messungen haben im Hüffenhardter Wald eine Windstärke von bis zu 5,8 Metern pro Sekunde ergeben - "in einem windstarken Jahr", wie Hagendorn betont. Das sei für die Wirtschaftlichkeit nicht ausreichend. Die BI sei nicht gegen Windkraft, so Hagendorn, aber dieser Bau sei nicht gerechtfertigt. Gleichzeitig weist der Mediziner Siegmann auf gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Anlagen hin.

Noch liegen laut Hagendorn keine Gutachten über Bodenbeschaffenheit und Artenvielfalt vor. Marko Nikolay, Leiter der Greifenwarte auf Burg Gutenberg, warnt vor den Auswirkungen auf die Tierwelt. Rotmilan, Wespenbussard und Baumfalke seien gefährdete Arten, die in der Gegend nisten. "Die Vögel können das Windrad nicht einschätzen", sagt der Falkner. Die langfristigen Auswirkungen seien nicht klar.

Klar ist hingegen, was mit einem Windpark auf den Wald zukäme. Die BI hat Informationen zusammengetragen und vor Ort verdeutlicht: 49 000 Tonnen Stahlbeton wären für die sieben Windräder nötig, allein für ein Fundament wären 20 LKW zwei Tage lang im Wald unterwegs, Waldwege müssten verbreitert und geschottert werden. "Das geht nicht spurlos vorbei", erklärte Hagendorn. Die BI wolle Transparenz schaffen und mit sachlichen Argumenten eine Fehlinvestition verhindern.