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Bürgerinitiative lud zur Begehung des geplanten Hüffenhardter Windkraftparks ein - Über 80 Bürger besichtigten mögliche Standorte

04.04.2016, 06:00 Uhr

"Wir sind nicht gegen Windkraft generell." Gut 80 Bürger folgten der Einladung der BI "Pro Lebensraum Großer Wald" und besichtigten am Samstag im Wald zwischen Hüffenhardt, Hochhausen und Kälbertshausen die geplanten Standorte für acht Windräder. Foto: Peter Lahr

Von Peter Lahr

Hüffenhardt. "Der Mann, der den Wind der Veränderung spürt, sollte keinen Windschutz, sondern eine Windmühle bauen." Mit dieser chinesischen Weisheit wirbt die "Fortwengel Holding" auf ihrem Internetauftritt für Windenergie. Zusammen mit der Gemeinde Hüffenhardt will das Unternehmen im Waldgebiet zwischen Hüffenhardt, Kälbertshausen und Hochhausen einen Windpark mit bis zu acht Windrädern stemmen. Auch nach einer gut besuchten Informationsveranstaltung (die RNZ berichtete) spüren die Verantwortlichen vor Ort jedoch reichlich Gegenwind.

Am Samstag lud die Bürgerinitiative (BI) "Pro Lebensraum Großer Wald" zu einem Rundgang zu den in Frage kommenden Standorten auf der 110 Hektar großen Fläche ein. Über 80 Interessierte konnte BI-Vorsitzender Armin Hagendorn am Hüffenhardter Umspannwerk begrüßen. "Wir sind nicht gegen Windkraft generell, halten den Standort hier aber nicht für wirtschaftlich", betonte er. Bisher sei keine überzeugende Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgelegt worden. Dass ausgerechnet ein beliebtes Naherholungsgebiet als Standort für Windräder herhalten soll, ist dem einstigen Forstwirt zudem ein Gräuel. Er steht mit seiner Meinung nicht alleine da. Das zeigten die 60 Mitglieder, die sich bereits bei der BI engagierten. Erfolgreich verlaufe auch eine Unterschriftensammlung gegen den geplanten Windparkstandort. Bislang hätten bereits über 600 Bürger unterschrieben. Was bei einer Gemeinde mit 2000 Einwohnern doch enorm sei. Vor allem, wenn man bedenke, dass die BI erst seit sechs Wochen aktiv ist.

"Wir wollen nicht polarisieren, sondern informieren", unterstrich Ralf Prior, der als Jäger fachkundig durch das Gelände führte. Um das Wild nicht zu stören, wolle man die Wege nicht verlassen, kommentierte er die Wanderroute. Priors erster Hinweis galt dem Sendemasten, den man zwischen den Stromtrassen passierte: "Der Mast ist 127 Meter hoch. Die Windräder werden mit 149 Metern Nabenhöhe noch ein ganzes Stück höher." Auch im Wald machte er mit einem Helfer entlang eines Weges die geplante Masthöhe anschaulich. Das Fazit des Waidmanns: "Wir werden die Windräder nicht im Wald verstecken können, weil sie 180 Meter darüber hinaus gehen."

Weiteren Verdruss machten Prior die geplanten Zufahrtswege. Diese müssten 4,50 Meter breit sein und über einen Freiraum von 6,50 Meter verfügen. Er befürchte, da entstünden "Autobahnen durch den Wald." Generell stehe er vor einem Dilemma: "Je mehr ich mich zum Thema informieren will, desto mehr zusätzliche Fragen stellen sich mir."

Mit Fotomontagen verdeutlichte Armin Hagendorn die gewaltigen Ausmaße eines jeden Windrads. Allein für das Fundament müssten 20 Lkw zwei Tage lang nonstop Material anliefern.

Das Artenschutzgutachten kommentierte unweit der "Saamshütte" Marco Nikolay. Der Falkner und Leiter der Greifenwarte auf Burg Guttenberg befürchtete nicht nur, dass einer seiner Adler im Windrad verenden könnte. Auch für die im Gutachten benannten Baumfalken, Wespenbussarde, Rot- und Schwarzmilane sowie Schwarzstörche sah er schwarz. "Die Vögel gewöhnen sich nicht an die Windräder. Die meisten kommen durch, aber nicht alle." Auch vor einem etwas drastischen Vergleich schreckte der Falkner nicht zurück: "Das wäre so, als würden Sie neben einem Kindergarten ohne Zaun einen Schredder hinstellen, der ständig läuft." Auch auf den Tourismus könne sich ein Windpark negativ auswirken: "Den Lärm und die Hässlichkeit eines Windrads kann kein noch so schönes Schild wegnehmen."

Am Ende des knapp dreistündigen Rundgangs lud die BI an der Wagenseehütte in Kälbertshausen zu einem Imbiss ein. Auch den Rücktransport der Wanderer hatte man logistisch gelöst. Die nächste Gemeinderatssitzung zum Thema findet am 7. April statt.