Artikel vom 13. Mai 2016, 00:00 Uhr

Hüffenhardt  Initiative übergibt zwei Unterschriftenlisten an Bürgermeister und Gemeinderäte

Von unserem Redakteur Simon Gajer

Im Wald zwischen Hüffenhardt und Kälbertshausen könnte ein Windpark entstehen. Foto: Archiv/Gajer

Hüffenhardt könnte seinen zweiten Bürgerentscheid innerhalb weniger Jahre bekommen. Dieses Mal regt sich großer Widerstand gegen den Bau von sieben Windrädern im kommunalen Wald zwischen den Teilorten. Die Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großer Wald hat gestern Abend zwei Unterschriftenlisten an Bürgermeister Walter Neff und Gemeinderäte übergeben. Auf einer fordern 220 Unterzeichner, dass die Einwohner über die rechtlichen Grundlagen abstimmen sollen.

Zuspruch Nach eigenen Angaben hat die BI 980 Unterschriften von Bürgern gesammelt, die sich gegen Windräder im Großen Wald aussprechen. 819 Unterzeichner wohnen in Hüffenhardt und Kälbertshausen und 130 in den Haßmersheimer Teilorten, hinzu kommen Unterstützer aus anderen Gemeinden. Eine zweite Liste mit 220 Unterschriften sei für ein initiiertes Bürgerbegehren zusammengekommen, teilte die BI mit. Ziel ist ein Bürgerentscheid.

Die Bürgerinitiative, die mittlerweile 114 Mitglieder hat, habe zwar mit einem hohen Zuspruch gerechnet, sagte Mitbegründer und Vorsitzender Armin Hagendorn, aber nicht in dieser Größe. "Wir sind über diese hohe Zahl an Unterschriften selbst überrascht", sagte er in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Nach seinen Angaben gibt es weitere Gegner, die hätten sich aber nicht getraut zu unterschreiben. Die Unterschriften seien "in kurzer Zeit" zusammengekommen, betonte er. Das ist für ihn ein klares Zeichen: "Die Bürgerschaft will es nicht." Es müsse ein Weg gefunden werden, damit der Windpark verhindert werden könne. Laut Hagendorn gibt es "keine verlässliche Mehrheit" im Gemeinderat gegen den Bau von Windkraftanlagen. Deshalb sollten die Bürger abstimmen.

Vorhaben Konkret geht es um das Vorhaben der Fortwengel Holding, im Waldstück zwischen Hüffenhardt und Kälbertshausen sieben Windräder zu bauen. Über acht Standorte wird diskutiert, weil bei einem Windrad Details im Unklaren sind. Die Situation in der Gemeinde ist sehr verzwickt. Zusammen mit Haßmersheim hat Hüffenhardt vor wenigen Jahren beschlossen, in der Verwaltungsgemeinschaft Windkraftanlagen ausschließlich im Waldstück zwischen Hüffenhardt und Kälbertshausen zu erlauben. Monate später hat der Hüffenhardter Gemeinderat dem Windpark-Projektierer Fortwengel vertraglich zugesichert, dass die Firma in diesem Gebiet Kraftwerke errichten kann. Im Jahr 2015 wurde die Windstärke gemessen, auch Vögel und Fledermäuse wurden beobachtet. Um nun tatsächlich die Windräder bauen zu können, muss der Flächennutzungsplan punktuell geändert werden.

Hier soll der Bürgerentscheid ansetzen. Die Frage solle sein, sagte Armin Hagendorn: "Sind Sie gegen die Einleitung einer Änderung des Flächennutzungsplans im Gebiet Großer Wald, um dort die Errichtung von Windkraftanlagen zu ermöglichen?" Sollte der Windpark nicht mehr realisiert werden, könnte auf die Gemeinde eine Schadensersatzforderung in sechsstelliger Höhe zukommen.

Bürgermeister Walter Neff war über die Anzahl der Unterschriften nicht überrascht. Es sei schon im Vorfeld von über 800 gesprochen worden. Verwundert war er bei der Übergabe, dass die Bürger schon jetzt darüber abstimmen wollen; üblich seien Voten nach einer Gemeinderatsentscheidung. Ob das Ansinnen der BI zulässig sei, "lassen wir prüfen", sagte er bei der Übergabe.

Armin Hagendorn (rechts) hat gestern Abend Bürgermeister Walter Neff einen Ordner mit fast 1000 Unterschriften übergeben. Die Unterzeichner lehnen den Windpark ab. Foto: Simon Gajer