http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/region/region/sonstige-Milan-von-Windradfluegel-getroffen;art87698,3634325

Artikel vom 14. Mai 2016, 00:00 Uhr

Jagsthausen  Erstes Schlagopfer im Harthäuser Wald −Forst-Verantwortliche und Gutachter reagieren bestürzt − Vorerst keine Konsequenzen

Von unserem Redakteur Christian Gleichauf

Der tote Rotmilan aus dem Wald bei Jagsthausen. Er ist vermutlich der erste Greifvogel, der in der Region Opfer einer Windkraftanlage wurde.Foto: privat

Der Windpark im Harthäuser Wald hat offenbar sein erstes Todesopfer unter den Greifvögeln gefordert. Ein Rotmilan ist demnach von einem der 65 Meter langen Rotorflügel einer Anlage im Wald bei Jagsthausen getroffen worden und schwer verletzt zu Boden gegangen. Nach Begutachtung durch Spezialisten und Tierarzt wurde das Tier eingeschläfert.

Flügel zerschmettert Als Revierleiter Dieter Bachofner am Ostermontag von Bekannten in den Wald bei Jagsthausen gerufen wurde, erwartete ihn kein schönes Bild: Mit zerschmettertem Flügel lag ein Rotmilan am Boden und versuchte, sich in Sicherheit zu bringen. "Ich habe schon einige junge Bussarde, die aus dem Nest gefallen sind, gefunden. Das war der erste erwachsene Greifvogel", erzählt Bachofner.

Mit einer Decke habe die Gruppe den Vogel eingefangen und dann zur Greifvogelstation auf die Burg Guttenberg gebracht. Am Ende war klar: "Man hätte amputieren müssen. Das ist bei einem wilden Rotmilan wohl nicht zu vertreten", erzählt der Revierleiter aus Widdern. So sei der Vogel eingeschläfert worden.

Der Neuenstadter Forstamtsleiter Roland Hartz nahm daraufhin Kontakt mit der staatlichen Vogelschutzwarte in Brandenburg auf, die in der "Schlagopferdatei" Informationen zu Kollisionen mit Windkraftanlagen zusammenträgt. "Theoretisch gibt es die Möglichkeit, dass er abgeschossen oder Opfer eines Revierkampfs wurde", sagt Hartz. "Aber das scheint abwegig, wenn er 200 Meter neben dem Windrad gefunden wird." Die Experten aus Brandenburg hätten bestätigt, dass es sich um eine klassische "Schlagverletzung" handle.

Betroffen zeigt sich auch Peter Beck, dessen Büro in Darmstadt das Artenschutzgutachten erstellt hat, das Voraussetzung für eine Genehmigung der Windräder war. "Das war ein Schreck für uns alle." Dass so wenige Monate nach Inbetriebnahme das erste Opfer zu beklagen ist, habe alle Beteiligten überrascht. "Dass es keine 100-prozentige Sicherheit gibt, ist klar. Es gibt immer nur Wahrscheinlichkeiten."

Eine technische Lösung, etwa eine temporäre Abschaltung, sei hier nicht möglich. Beck mahnt aber auch zur Besonnenheit. Durch den Vorfall werde nicht alles über den Haufen geworfen, was man an Erkenntnissen über den Flug der Vögel über dem Wald gewonnen hat.

Ursachen Womöglich war der Sturm am Ostermontag mitverantwortlich, kann sich Dieter Bachofner vorstellen. Möglicherweise haben Rotmilane Flugrouten über den Wald in Richtung Freifläche am Seehaus, meint Roland Hartz. Er hat aber auch beobachtet, dass einige der hübschen Segler ihre Vorlieben jüngst verändert haben. "Vielleicht gehört das schon zum Vermeidungsverhalten, um den Anlagen aus dem Weg zu gehen", hofft Hartz.