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Bürgermeister Walter Neff drohte bei der Diskussion um Aussagen sogar mit gerichtlichen Schritten

03.06.2016, 06:00 Uhr

Hüffenhardt. (nak) "Zu gegebener Zeit" wollte sich Hüffenhardts Bürgermeister zum Offenen Brief der Bürgerinitiative "Pro Lebensraum Großer Wald" äußern. In diesem Brief hatten Mitglieder der BI bemängelt, dass Gemeinderäte behaupteten, die Unterschriften gegen den geplanten Windpark seien "durch Lügen ergaunert oder erpresst worden" und die Führungsmitglieder der BI seien "Schwindler, Lügner, Medizinmänner oder ähnliches". Diese Aussagen so der Verfasser des Briefes, Bernd Siegmann, seien "eines kommunalpolitischen Gremiums nicht würdig".

"Ich war und bin immer um eine sachliche Diskussion bemüht", meinte Bürgermeister Walter Neff in der jüngsten Sitzung nun zu dem Brief. Er könne "kein Fehlverhalten erkennen". Ihm schlossen sich Erhard Geörg sowie Sigrid Freyh und Inge Bräuchle an. "Ich respektiere die Meinungen und Ängste der Windkraftgegner, aber ich möchte auch respektiert werden, wenn ich dafür bin", so Freyh. "Jedenfalls sollte jeder mit jedem offen sprechen können", meinte auch Geörg.

Doch dies scheint schon längst nicht mehr möglich. "Dann darf man aber nicht sagen, das die BI Lügner und Betrüger sind", nahm Hans-Martin Luckhaupt den Faden wieder auf und stellte sich erneut auf die Seite der Windkraftgegner. Er wurde von Neff scharf darauf hingewiesen, dass dieser Satz so im Gremium nicht gefallen sei. "Es wurde nichts von Lügnern und Schwindlern gesagt." Lediglich genannte Holzeinschlagzahlen waren falsch und seien diskutiert worden. "Deswegen ist der Brief für mich haltlos", so der Bürgermeister. Was "draußen" von anderen geäußert werde, darauf habe er keinen Einfluss. Sigrid Freyh wollte zudem, dass man auch "Ross und Reiter" nenne, wenn man schon Anschuldigungen vorbringe. Dem kamen die Mitglieder der BI nach, weshalb sich Bürgermeister Walter Neff und Ortsvorsteher Erhard Geörg plötzlich an den Pranger gestellt fühlten.

Im Zuhörerraum entbrannte ein hitziges Wortgefecht, zahlreiche Anschuldigungen wurden von beiden Seiten vorgebracht. Auch die Mitglieder der BI mussten sich einige Verfehlungen ankreiden lassen. "Auf welchem Niveau bewegen wir uns denn?", frage dann Lothar Sigmann in die Runde und schüttelte den Kopf.

Bernd Siegmann, der Verfasser des Offenen Briefes, fragte Bürgermeister Walter Neff daraufhin ganz direkt, wie er zu der Aussage komme, dass Siegmann seine Stellung als Arzt missbrauche. Nun war es mit jeglicher Sachlichkeit vorbei. Aufgebracht wetterte Neff, dass er sich gegen solche Anschuldigungen verwahre. Er habe nie eine derartige Aussage getroffen. Als Hans-Martin Luckhaupt dann bestätigte, dass Neff die Aussage in einer nicht öffentlichen Sitzung getätigt hätte, drohte Neff ihm lautstark mit gerichtlichen Schritten. Auch im Zuhörerraum wurden zahlreiche Beschuldigungen über verletzende Facebookposts, Nachbarschaftsstreitigkeiten und vieles mehr ausgetauscht. Äußern wollte sich Walter Neff zu weiteren Anschuldigungen nicht und sagte: "Privates bleibt privat."

Dass die Streitereien innerhalb des Gremiums und besonders zwischen Bürgermeister und Gemeinderat Luckhaupt auch nach dem Ende der Sitzung weitergingen, war durch die geöffneten Fenster gut zu hören. "Wo sind wir nur hingekommen", wunderte sich abermals ein Zuhörer.