http://www.stimme.de/kraichgau/nachrichten/kgalg/sonstige-Wutausbruch-im-Gemeinderat;art87693,364546

Artikel vom 03. Juni 2016, 00:00 Uhr

Hüffenhardt  Nach persönlichen Angriffen: Bürgermeister Walter Neff verliert bei Windkraft-Diskussion Beherrschung

Von unserem Redakteur Simon Gajer

Die Anspannung ist zu sehen: Bürgermeister Walter Neff (links) bekam vor ein paar Wochen von Armin Hagendorn Unterschriften gegen den Windpark.Foto: Archiv/Gajer

Die Auseinandersetzung um einen möglichen Windpark, der zwischen Hüffenhardt und Kälbertshausen liegen soll, hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Mittlerweile geht es nicht mehr nur um die Sache. Ein tiefer Riss spaltet die Bevölkerung, der Streit erreicht eine persönliche Ebene. Davon betroffen ist auch Bürgermeister Walter Neff, der nach verbalen Angriffen im Gemeinderat die Beherrschung verlor und laut wurde.

Eine solche Lautstärke eines Bürgermeisters im Gemeinderat sind kommunalpolitische Beobachter im Kraichgau nicht gewohnt. Selbst zu Beginn der folgenden nichtöffentlichen Sitzung drang Walter Neffs Stimme nach draußen, schreiend, bis Mitglieder des Gremiums die Fenster des Saals schlossen. "Wo sind wir gelandet?", kommentierte ein Bürger diese vorherige Diskussion. Dass die Sitzung derart aus dem Ruder laufen konnte, hatte niemand ahnen können. Die Tagesordnung enthielt keinen Aufreger.

Überraschend Erst zum Schluss der Sitzung wollte Walter Neff über einen offenen Brief von Bernd Siegmann sprechen. Er ist Gründungsmitglied der Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großer Wald, die den Windpark ablehnt. In der folgenden Diskussion sagte Gemeinderat Hans-Martin Luckhaupt, dass Walter Neff in einer nichtöffentlichen Sitzung des Gremiums gesagt haben soll, dass Bernd Siegmann seine Stellung als Arzt für die BI missbrauche. Das brachte bei Walter Neff das Fass zum Überlaufen. Das habe er nicht gesagt, und er drohte Luckhaupt mit einem Anwalt, sollte der diese Aussage wiederholen. "So nicht meine Herren", rief der Bürgermeister. Weder die Haltung von Walter Neff noch die von Hans-Martin Luckhaupt wurde von den anderen Mitgliedern unterstützt. Brisant ist, wie in der Sitzung deutlich wurde, dass es zwischen der Familie Neff und der von BI-Chef Armin Hagendorn eine Auseinandersetzung gibt. "Privat ist privat", kommentierte Neff eine entsprechende Anfrage.

Doch nicht nur Neff stand in der Kritik, sondern auch Kälbertshausens Ortsvorsteher Erhard Geörg. Gegen ihn richten sich die Vorwürfe im offenen Brief (siehe "Heikle Passage"), wie der Verfasser Siegmann ausführte. In der Sitzung wollte sich Geörg dazu äußern, was ihm wegen der hitzigen Diskussion aber nicht gelang. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte er einen Tag später: Unter anderem habe er nie behauptet, dass die Unterschriften erschwindelt worden seien. Allerdings, "und dazu stehe ich", habe er gesagt: Bei der Unterschriftensammlung habe es Missverständnisse bei Unterzeichnern gegeben. So kursiere die Behauptung, dass für den Windpark 70 Hektar Wald gefällt werden müssten − was so nicht stimme. Dieses Gerücht hatten im Gemeinderat auch Vertreter der BI ausgeräumt. In der Sitzung war ihnen von einer Bürgerin vorgeworfen worden, dass ein Unterschriftensammler solche Aussagen gemacht habe.

Diskussion Auch der offene Brief wurde kritisiert. Walter Neff betonte, dass er kein Fehlverhalten im Rat erkennen könne. "Diese Worte sind hier nicht gefallen." Unter anderem sah das Inge Bräuchle ähnlich. "Ich kann die Anschuldigungen nicht akzeptieren", sagte sie. Weil im Schreiben keine Namen genannt werden, fühlte sich Sigrid Freyh angegriffen. Andere bezogen die Vorwürfe nicht auf sich, wie Neff, Manuel Bödi und Hans-Martin Luckhaupt erklärten. Bernd Siegmann als Verfasser erwiderte: Man könne herauslesen, dass es nicht um das Gremium, sondern um einzelne Personen gehe. Im Verlauf der Diskussion betonte Neff, dass er keinen Einfluss habe, wie sich Gemeinderäte außerhalb der Beratungen äußern. Über sich sagte er: "Ich bemühe mich um eine sachliche Diskussion."