Kraichgau Stimme, Region Heilbronn, Kommentar vom 14. Juni 2016

Nachholbedarf

Die Vorfälle im Harthäuser Wald waren in diesem Ausmaß nicht absehbar. E braucht jetzt Klarheit.

Von Christian Gleichauf



Dass Land, Landratsamt, Gutachter und Betreiber mit dem Windpark Harthäuser Wald Neuland betreten haben, wurde im Genehmigungsverfahrens mehrfach betont. Erstmals so viele, so große Anlagen in einem Wald. Wie leider erst jetzt so deutlich gesagt wird: erstmals überhaupt in einem Eichen- und Buchen-Wald. Es scheint, als ob man nun die Erfahrungen sammelt, die für eine Genehmigung notwendig gewesen wären. Bis heute sind sich die Beteiligten aber einig, dass sie kein unkalkulierbares Risiko eingegangen sind. Das hört sich merkwürdig an, wenn nahezu täglich Meldebögen mit toten Fledermäusen vorgelegt werden und die Anlagen schon drei Greifvögel das Leben gekostet haben. Nachjustierungen sind auf jeden Fall notwendig. Doch noch steht die Ursachenforschung an. Ein weiterer Punkt: Kaum irgendwo wurde bisher ein Windpark so konsequent überwacht wie der im Harthäuser Wald derzeit. Die hohen Schlagopferzahlen sollen damit nicht bagatellisiert werden, aber sie müssen relativiert werden. Die Dunkelziffer ist nicht besonders groß, wenn Mitglieder an einem Tag alle 14 Anlagenstandorte absuchen. Unter dem Strich steht damit eine bestmögliche Erfassung. Das ist positiv. Zeigt es doch, wie wichtig systematische Kontrollen von Anlagenstandorten – nicht nur im Harthäuser Wald – wären, auf die die Landesregierung bislang verzichtet. Dann müsste sich die Öffentlichkeit entweder grundsätzlich daran gewöhnen, dass Tiere an Rotoren regelmäßig ihr Leben lassen. Oder man müsste sich von sehr vielen Windkraftstandorten verabschieden. Für eine ehrliche Diskussion braucht es eine ehrliche Grundlage.