Stimme, Hohenlohe, Nachrichten, Mittwoch 22. März 2017
 

 

Braunsbach; Eine erst 2016 ans Netz gegangene Windkraftanlage des Heilbronner Energieversorgers Zeag darf vorerst nicht weiter betrieben werden. Naturschutzverbände waren mit ihrem Widerspruch vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart erfolgreich.

Weil es unweit eines Brutwaldes für den geschützten Rotmilan steht, darf ein Windrad des Heilbronner Energieversorgers Zeag bei Braunsbach (Kreis Schwäbisch Hall) derzeit nicht betrieben werden. Der Landesnaturschutzverband (LNV) und der Naturschutzbund (Nabu) setzten beim Verwaltungsgericht Stuttgart einen Stopp für die kürzlich erst gebaute Anlage durch. Es bestünden „ernstliche Zweifel“ an der vom Landratsamt erteilten Baugenehmigung für das Windrad, teilte das Gericht am Mittwoch mit. (Az: 13 K 9193/16)

Im Bezug auf den Rotmilan könne „ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko“ durch die Rotorblätter nicht ausgeschlossen werden. Dabei kritisiert das Gericht, dass auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung verzichtet wurde. Formal ist diese Umweltverträglichkeitsprüfung auf jeden Fall notwendig, wenn Windparks mit 20 oder mehr Windrädern geplant werden. Sie kann jedoch ebenfalls gefordert werden, wenn naturschutzrechtliche Gründe dafür sprechen.

Das Landratsamt Schwäbisch Hall hatte das Windrad mit einer Nabenhöhe von 149 Metern und einem Rotordurchmesser von gut 100 Metern vor etwa einem Jahr genehmigt. Aller Voraussicht nach wurden umweltrechtliche Vorschriften verletzt, schrieb das Gericht. Nach einer Vorprüfung hatte das Landratsamt entschieden, eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei nicht nötig. Diese wäre aber sehr wohl wichtig gewesen, so das Gericht. Auch das Landesamt LUBW hatte Zweifel angemeldet, ob ein Kollisionsrisiko ausgeschlossen werden könne.

LNV und Nabu hatten noch vor dem Bau der Anlage Widerspruch eingelegt, auf den die Behörden jedoch nicht reagiert hätten, berichtete Nabu-Landeschef Johannes Enssle. „Weil die Mühlen der Verwaltung zu langsam mahlen, muss die nun bereits gebaute Windmühle still stehen. Das ist tragisch. Und es zeigt uns, dass beim Artenschutz sauber gearbeitet werden muss.“

Man unterstütze den Ausbau der Windkraft, sagte LNV-Chef Gerhard Bronner. „Aber die gesetzlichen Naturschutzvorgaben müssen strikt eingehalten werden.“

Der Braunsbacher Windpark

Insgesamt fünf Windräder umfasst der Windpark bei Orlach und Zottishofen derzeit. Fünf weitere könnten noch hinzukommen. Der Eilantrag betrifft allerdings ausschließlich die Anlage Orlach 6. Gebaut worden sind die Windkraftanlagen bei Braunsbach von der Zeag Energie AG mit Sitz in Heilbronn.