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Bürgerinitiative „Pro Lebensraum Großer Wald“ e. V.

"Der Irrglaube, Deutschland ginge vorweg!"

 

Im Folgenden lesen Sie eine Zusammenfassung aus einem Vortrag (Quelle https://www.youtube.com/watch?v=H3_vrmTj6Ss&feature=youtu.be) vom 27.02.2016 von Professor Dr. Hans-Werner Sinn - deutscher Ökonom, Hochschullehrer bis März 2016, von 1999-2016 Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo). Er hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher zu wirtschaftspolitischen Themen verfasst, u. a. „Das grüne Paradoxon“.

Europa und insbesondere Deutschland unternehmen riesige Anstrengungen und trotzdem sieht man das nicht in den Zahlen. Fakt ist, mit unseren erneuerbaren Energien können wir Deutschen noch nicht einmal innerhalb des europäischen Verbundes etwas (zusätzlich) erreichen. Denn wir haben zwei Steuerungssysteme, die zusammenlaufen: wir haben in Deutschland das EEG, also die künstlich hochgesetzten Preise für „grünen Strom“ und wir haben in Europa den Emissionshandel, welcher für den ganzen Kraftwerksbereich gilt. Was heisst das?

Dort ist bereits bis auf die letzte Tonne festgelegt, wieviel CO2 alle europäischen Länder zusammen ausstoßen. Was wiederum bedeutet, dass nichts, was die BRD durch ihre Aktionen tun könnte, und schon gar nicht, was eine Gemeinde tun könnte, indem sie Windräder aufstellt, an der Gesamtmenge an CO2 in Europa irgendetwas ändern kann. Warum nicht?

Wenn man hier zusätzlichen grünen Strom ins Netz speist, drängt man fossile Kraftwerke zurück – das ist die Intention – aber man drängt auch Emissionszertifikate in andere Länder. Die Menge an Emissionszertifikaten ist festgelegt, diese werden an den Börsen gehandelt und das, was wir in Deutschland nicht verbrauchen, wird in anderen EU-Ländern verbraucht, und zwar dort, wo man Platz hat für neue fossile Kraftwerke. Nicht eine einzige Tonne CO2 kann durch das deutsche EEG und schon gar nicht durch die Entscheidung, Windräder auf Deutschlands Hügeln zu bauen, reduziert werden.
Das ist eine ökonomische Trivialität über die Ökonomen seit Jahren reden, und zwar eine in einem Maße, wie man sie eigentlich gar nicht aussprechen kann, die sich aber leider noch nicht ausreichend verbreitet hat - weil die Lufthoheit über dieses Thema bei ganz anderen Leuten liegt, als bei denen aus der Wissenschaft.

Halten wir fest:

  • Der europäische Emissionshandel eliminiert den Effekt des EEG sowie jeglicher Entscheidungen für oder gegen grünen Strom!

  • Nur ein weltweiter Emissionshandel kann die Lösung bieten!

Schauen wir nun auf den Strom (und bedenken Sie, dass dieser nur 1/5 des Gesamt- Endenergieverbrauchs ausmacht!):
Heute sind wir mit Wind- und Sonnenenergie bei 15% der Stromproduktion. Wenn wir verdoppeln (das ginge theoretisch, es sähe zwar nicht mehr schön aus in unserem Land, aber es wäre möglich), sind wir bei 30% - dann aber ist finito. Mehr schaffen wir nicht.
Warum ist das so?
Die deutsche Strategie „Puffern durch Abschalten“ geht nicht mehr. Sie können die Kraftwerke nicht negativ laufen lassen, diese gehen auf Null runter aber nicht in den negativen Bereich. Sie können aus einem Kohlekraftwerk keinen Energiespeicher machen mit negativen Werten. Und genau darin liegt das Problem. Was tun mit dem Überschuss?

Größtenteils werfen wir ihn weg – teilweise geschieht das heute schon. Wenn das kommt, dann müssen wir noch mehr Wind- und Sonnenstrom an andere Länder „verschrotten“ (diese werden sich herzlich bedanken diese Stromspitzen zu nehmen, sie bauen ja heute schon Sperren in ihre Netze ein – wir müssen sie extra dafür bezahlen, dass sie uns diesen Strom, der von einem „ökonomischen Gut“ zu „Schrott“ geworden ist, abnehmen. Oder aber wir stellen die Windflügel still (wie wir diesen Strom wegwerfen wollen, ist noch debattierbar), aber dass wir ihn nicht verwenden können, das scheint klar zu sein. Die Überschüsse müssen de facto entsorgt werden.

 

Zwei Bespiele zur Veranschaulichung:

  • Um trotz der Pufferung durch Parallelstrukturen allein nur von 30% auf 40% der Stromversorgung zu kommen, würden 900! Pumpspeicherwerke ODER 45 Millionen! BMW i3 – Akkusätze benötigt.

  • Um die Pufferung des Wind- und Sonnenstroms des Jahres 2014 (15% der Stromproduktion) allein durch Speicher, also ohne Parallelstrukturen, zu bewerkstelligen, bräuchte man fast 6000! Pumpspeicherwerke ODER 300 Millionen! BMW i3 – Akkusätze.

  • UTOPIE! Zur Zeit haben wir etwa 35 Pumpspeicherwerke in Deutschland.

 

Fünf Thesen:

  • Wir richten unseren Blick nur auf die Nachfrage und vergessen, dass es immer noch um das Angebot geht, wir machen die Rechnung ohne den Wirt: Auf die Ressourcenbesitzer (Ölschaichs, Kohlebaronen, Gasoligarchen) kommt es an. Diese sind die Sachverwalter des Klimas. Was sie an Kohlenstoff rausholen aus der Erde, geht auch in die Luft! Ich kann nicht durch die Nachfrageeinschränkung in einem Teilgebiet der Welt die CO2 Menge, die in die Luft kommt reduzieren, wenn ich nicht zugleich die Eigentümer der natürlichen Ressourcen veranlasse, dadurch die Ressourcen im Boden zu lassen. Es ist naiv, zu glauben, dass man durch Stromsparen ohne internationale Koordination IRGEND etwas ändern kann.

Beispiel Klingelbeutel in der Kirche: Wir Deutschen wollen gut sein, mit gutem Beispiel voran gehen, was zunächst wirklich löblich ist. Wir werfen Münzen in den Klingelbeutel, wohlwissend, dass die Chinesen und Amerikaner hinter uns es nicht tun werden. Dass sie aber –im Gegenteil – unsere Münzen sogar wieder herausnehmen, daran denken wir nicht.

  • Das EEG sowie jegliche Entscheidungen für oder gegen grünen Strom werden durch den Emissionshandel neutralisiert. Daher gehört es ersatzlos abgeschafft!

  • Elektroautos sind irrelevant für die Speicherung.

  • Konventionelle Kohle- und Gaskraftwerke sind zur Pufferung weiterhin erforderlich. Diese Lösung ist aber wegen den Doppelstrukturen unwirtschaftlich.

  • Bei 30% der Stromproduktion stößt die Pufferung von Wind- und Sonnenstrom durch Parallelstrukturen an ihre mathematischen Grenzen.

 

Schauen Sie sich den kompletten Vortrag im Internet an, es lohnt sich. Diese Erkenntnisse allein lassen die "Energiewende" in einem völlig anderen Licht erscheinen und nicht umsonst rudern tatsächlich viele, die erkannt haben, dass sie auf das falsche Pferd gesetzt haben, schon wieder zurück (jüngstes Beispiel Dänemark).

Denn wie schon eine uralte Weisheit der Dakota-Indianer besagt:
„Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.“